„Wir machen keine Micky-Maus-Rennen”

Zum 35. Mal findet morgen das Sandplatzrennen des MSC Altrip unter der Regie von Karl-Martin Gensinger statt

Den Lebensjahren nach ist 66 heutzutage noch kein Alter, das zur Inaktivität verdammt. Dass aber ein solcher Senior seit Jahrzehnten offenbar zur allgemeinen Zufriedenheit die Geschicke eines Sportvereins lenkt und es nicht abzusehen ist, wann er damit aufhört, nennt auch der Sportbund Pfalz „selten”. Morgen veranstaltet der MSC Altrip das 35. internationale Sandbahn-Rennen unter Karl-Martin Gensingers Regie.

Karl-Martin Gensinger ist ein Urgestein beim MSC Altrip. In der europäischen Motorsport-Szene genießt er einen seriösen Ruf. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 02.06.2010 | Text: Wolfgang Kauer | Foto: Kunz)Der Chef einer eigenen Handelsvertretung führt den MSC Altrip seit 1976. Der Verein ist in der europäischen Motorsport-Szene wegen seiner schwierig zu meisternden 702,5-Meter-Bahn mit den ungleichen Kurven sehr gut bekannt. Als siebter Vorsitzender des an Buß- und Bettag 1952 gegründeten Vereins wirkt Gensinger bei den internationalen Sandbahn-Ereignissen auf der Gewanne „Vierzigmorgen” immer so mit, wie es sein Ehrenamtstitel ausdrückt: vorne dran und zwar bei allen Vereinsangelegenheiten.

„Das heikle Kapitel der Fahrerverpflichtungen war immer meine Sache”, beschreibt Gensinger die Tätigkeit, von deren Gelingen das abhängt, was speziell Sandbahn-Rennen prickelnd machen kann. Das Engagement der Bleischuh-Artisten zum morgigen Renntag setzt eine auch in vielen ausländischen Renn-Aufenthalten erworbene sehr gute Szenen- und ebensolche Menschenkenntnis voraus.

Egon Müller zum Beispiel, Star der 1970er und 1980er, erwies sich stets als besonders hart im Verhandeln. „Auch Gerd Riss weiß seit langem, was er wert ist”, umschreibt Gensinger die Tatsache, dass Honorargespräche mit dem elfmaligen Langbahn- und 13-maligen Speedway-Weltmeister „nicht ganz einfach verlaufen”. Doch noch nie habe er an das 40.000-Euro-Limit gehen müssen, das der 130-Mitglieder-Verein für das jährliche Fahrer-Gesamthonorar gesetzt hat, beteuert der Vereinsvorsitzende. Obwohl der MSC eben wegen der Rennenstrecke mit den ungleichen Kurven keinen WM-Lauf veranstalten kann, sind auch international erfolgreiche Fahrer geradezu aufs „Altriper Ei” erpicht. So hat Gensingers vor Jahrzehnten geprägtes Bonmot „Mir machen kee Micky-Maus-Rennen, liewer heern”mr uff” seine Gültigkeit behalten.

Der nach seinen Worten „den Geschäftsbetrieb am Laufen haltende” MSC-Chef, zuvor Revisor, Schatzmeister und Geschäftsführer, legt auch beim „Aufrüsten” das 100.000 Quadratmeter großen gemeindeeigenen Vereinsgeländes Hand an. „An jedem Wochenende im Frühjahr ist er draußen”, sagt seine Frau Ilse Gensinger. Sie engagiert sich zwar wie manche andere von der MSC-Weiblichkeit ebenfalls für den Verein, hätte es inzwischen aber ganz gern, „wenn mein Mann doch ein bissel zurückdrehen tät”.

Fühlt sich doch Karl-Martin Gensinger in seiner Freizeit nicht nur dem Motor-Sport-Club, sondern auch seinem Dorf und dem Rhein-Pfalz-Kreis verpflichtet. Seit 1976 gehört er dem Gemeinderat Altrip und dem Kreistag an, führte 27 Jahre die Altriper CDU, die ihn zum Ehrenvorsitzenden des Ortsverbandes machte und ist seit 1994 Erster Beigeordneter in Altrip.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. Juni 2010 | Text: Wolfgang Kauer | Foto: Kunz)
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