Als Briefe schon mal im „falschen” Altrip landeten

ALTRIP: Im französischen Departement Moselle gibt es Gemeinde gleichen Namens - Angeblich 10 vor Christus gegründet

Der 53-jährige Maschinenbautechniker Franz Kraus aus Altrip ist der wohl eifrigste Sammler von Ansichtskarten mit Motiven seiner Heimatgemeinde. Er „grast” nicht nur die Flohmärkte der Umgebung ab, sondern fährt auch zu weit entfernten Kartenbörsen. Alle namhaften Händler kennen ihn bereits, zumal er für besonders schöne Motive auch Höchstpreise zahlt. Kein Wunder, dass die Händler ihre Altrip-Neuzugänge für ihn zurücklegen. Obwohl er schon wiederholt meinte: „Einmal ist Schluss, denn es ist schon alles im Kasten!”, wird er immer mal wieder fündig.

Am originellsten findet er übrigens Fehldrucke. So besitzt er mehrere Karten, in denen die Rheinstraße als Pappel-Allee-Straße und die Ludwigstraße als Römerstraße bezeichnet ist. Selbst Karten, in denen der Ortsname Altrip verstümmelt wurde, finden sich in seiner Sammlung. Unlängst kam er von einer Sammlerbörse aus Köln mit Altriper Motiven aus dem Jahre 1917 zurück, die er beim besten Willen nicht einzuordnen wusste. Der Verkäufer der Rarität meinte, dass es ein Altrip in Ostpreußen sei, das von den Russen plattgemacht wurde.

Zwei Motive von Altrip in Lothringen im Jahr 1917: Das erste Bild zeigt die Straße zur Kirche mit dem Rundturm, errichtet vor etwa 1000 Jahren. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 08.06.2005 | Text: Wolfgang Schneider | Fotos: privat)Doch ein Altriper Hobbyhistoriker erkannte auf Anhieb, dass dieses Altrip das heutige Altrippe im französischen Departement Moselle ist. Franz Kraus brachte gar noch zwei Aufnahmen - gemacht im Jahr 1902 - aus jenem Altrip mit. Die hatte der damalige katholische Pfarrer des Ortes, E. Colbus - übrigens ein Freund des Grafen Zeppelin - an den Kantonal-Doktor eines Nachbarortes geschrieben.

Eben dieser Colbus schuf 1898 vor den Toren Altrips einen Calvarienberg, von dessen Gipfel in 305 Meter Höhe bei guter Sicht 51 Kirchtürme zu sehen sind. Kartenschreiber Colbus war es auch, der vor dem Ersten Weltkrieg in Altrip Ausgrabungen nach dem dortigen römischen Alta Ripa vornehmen ließ, bei denen nicht nur römische Gräber mit Münzen, sondern auch unterirdische keltische Wohnplätze gefunden wurden.

Steine aus einer römischen Ziegelhütte trugen den Stempelaufdruck „Alta Ripa” und „Alta Rupa”. Das lothringische Altrip wurde angeblich schon 10 vor Christus zu Zeiten des Heerführers Drusus gegründet. Interessanterweise haben beide Orte ihre römischen Wurzeln im Ortsnamen beibehalten, das heißt, aus „unserem” Altrip wurde nicht „Hohes Ufer” und aus dem lothringischen Altrip wurde kein „Hauterive” oder Rivesaltes.

Das zweite Bild zeigt das so genannte „Mittlere Dorf“ mit zentralem Platz, ebenfalls aufgenommen 1917. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 08.06.2005 | Text: Wolfgang Schneider | Fotos: privat)Im Römischen Reich gab es übrigens noch ein Alta Ripa in Pannonien, das auf der berühmten Peutingerschen Straßenkarte vermerkt ist sowie eines bei Narbonne am Mittelmeer. Als das lothringische Altrip zum Deutschen Kaiserreich kam, lautete die Schreibweise unserer Landkreisgemeinde noch „Altripp”. Erst 1908 wurde behördlicherweise auf ein „Paula” verzichtet. Damit kam es schon mal vor, dass eine Postsendung im „falschen” Altrip landete. Versuche der hiesigen Gemeinde, dies mit dem Zusatz „am Rhein” abzustellen, scheiterten an der holden Obrigkeit. Viele schon irregeführte Briefschreiber fügten daher von sich aus „bei Ludwigshafen” oder „in der Rheinpfalz” hinzu. Als am 1. Januar 1944 Postleitzahlen eingeführt wurden, änderte sich an der Misere leider nichts. Beide Orte namens Altrip nämlich gehörten nun zur Westmark und mussten in einem Kreis die Zahl 18 tragen.

Für geschichtlich Interessierte sei noch erwähnt, dass die Schreibweise der heutigen Rheingemeinde seit ihrer Gründung nicht weniger als 25 Mal gewechselt hat. Just im Jahre 893, als ihr berühmtester Sohn, Regino, in Prüm den Urbar fertig stellte, war die Schreibweise mit der heutigen lothringischen Gemeinde „Altrippe” identisch.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 8. Juni 2005 | Text: Wolfgang Schneider | Fotos: privat)
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