„Tanzen ist unser Leben“

Tanzschule Groß seit 60 Jahren in Familienhand – Jubiläum wird mit großem Ball gefeiert

Wenn Ursula Presuhn über ihre Mutter Else Groß spricht, beginnen ihre Augen zu leuchten. „Sie war eine tolle, starke Frau. Eine Kämpferin. Und ich habe ihr versprochen, dass wir ihr Lebenswerk weiterführen, so, wie sie es wollte.“ Else Groß hat 1945 unter schwierigsten Bedingungen den Grundstein für die gleichnamige Tanzschule in Altrip gelegt. Jetzt, 60 Jahre später, gibt sogar ihr 27-jähriger Enkelsohn Andreas schon begeistert Tanzstunden. Am Samstag wird offiziell das Jubiläum gefeiert – mit einem großen Ball und abwechslungsreichem Programm rund um den Tanz.

Gibt seit 1945 in Altrip den Schritt vor: die Tanzschule Groß. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 04.05.2005 | Text: lit | Foto: Lenz)Höhen und Tiefen hat die tanzbegeisterte Familie in diesen 60 Jahren hinter sich gebracht und dabei „immer nach vorne geschaut“, betont Ursula Presuhn. Daran, etwas anderes zu tun, habe sie nie gedacht, obwohl sie zur Sicherheit nach der Schule eine kaufmännische Lehre abschloss. „Meiner Mutter war es wichtig, dass wir ein zweites Standbein haben.“ So verfolgt auch Sohn Andreas ehrgeizig sein Biologiestudium. Sein Herz hat er allerdings schon lange im Tanzsaal verloren. Ständige Workshops – zum Beispiel kürzlich bei Starchoreograph Detlef D Soest – und eine fundierte Tanzausbildung sind für ihn eine Selbstverständlichkeit, sagt er. Wie Andreas, der schon als Baby in der Tragetasche sogar auf große Turniere mitgenommen wurde, hat auch Ursula Presuhn das Tanzen mit der Muttermilch aufgesogen; ebenso, wie die Kämpfernatur ihrer Mutter sie prägte. „Sie war für die damalige Zeit sehr emanzipiert. Es war äußerst ungewöhnlich, dass eine Frau die berufliche Selbstständigkeit wählte und einen eigenen Betrieb eröffnete.“ Auch habe Else Groß als Kind heimlich Ballettstunden in Mannheim genommen, um ihren Lebenstraum verwirklichen zu können. Ihren Mann habe sie allerdings kaum von ihren Plänen überzeugen müssen – er war selbst leidenschaftlicher Tänzer; die beiden lernten sich bei einem Ball in der Gaststätte Himmelreich kennen. Auch diese Tradition führte die Tochter Ursula fort: Wie die Mutter traf sie ihren späteren Mann Wolfgang beim Tanz und hatte selbst bei der Hochzeit ihren eigenen Kopf: „Wir haben uns einen Rumba ausgesucht, keinen klassischen Wiener Walzer. Warum nicht mal was anderes?“, schmunzelt Ursula Presuhn. Das könne sie auch heute jedem Pärchen nur empfehlen.

Denen hilft sie vor ihrer Hochzeit gerne mal auch mit Einzelstunden auf die Sprünge. Außerdem gibt es Paar und Seniorentanzkurse. Basis aber ist die Arbeit mit Jugendlichen und sogar Kindern, die für Ursula, Wolfgang und Andreas eine echte Bereicherung ist. „Der Kontakt mit den Menschen, vor allem mit jungen Menschen, ist das, was diesen Beruf so erfüllend macht“, schwärmt Ursula Presuhn. Natürlich bleibe nur eine begrenzte Zeit fürs Privatleben übrig, dennoch habe sie nie etwas vermisst. Seit 38 Jahren unterrichtet sie, 1994 hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Leitung der Tanzschule übernommen, ohne dass ihre Mutter Else jemals in ihrer Tätigkeit und ihrem Einfluss beschnitten wurde, betont Ursula Presuhn. „Sie war immer die Respektsperson, hat bis zu ihrem 84. Lebensjahr getanzt und unterrichtet. Gerade für die Jugendlichen war sie jemand ganz Besonderes...“

So wird auch der große Jubiläumsball am Samstag im Reginozentrum der erst vor kurzem verstorbenen Gründerin der Tanzschule Groß gewidmet sein. Die Live-Band „Flying Dutchman“ sorgt für die musikalische Begleitung, zudem gibt es zahlreiche Tanzshows von HipHop, Videoclip Dancing, Tango argentino, Salsa, Standard bis hin Solonummern.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 4. Mai 2005 | Text: lit | Foto: Lenz)
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