Gütiger Vater mit positiver Grundeinstellung

Alois Hander wird heute 100 Jahre alt – In München aufgewachsen – Sieben Kinder, 20 Enkel und 15 Urenkel

Alois Hander, der heute in Altrip seinen 100. Geburtstag feiert, kam als „Münchner Kindl“ zur Welt, allerdings nicht gerade auf Rosen gebettet. Bis zu seinem 14. Lebensjahr wuchs er in Münchner Waisenheimen auf, verdingte sich anschließend als Hütejunge in den bayerischen Bergen und später als Knecht. Zum Kriegseinsatz kam er 1918 nicht mehr, denn just als die Eisenbahn Richtung Front abdampfen sollte, kam die Meldung „Der Krieg ist aus!“

Ist seit 50 Jahren treuer RHEINPFALZ-Leser: Jubilar Alois Hander, der bis zum 14. Lebensjahr in einem Waisenhaus lebte. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 25.05.2000 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)Und so verließ Alois Hander den Zug und hängte die Uniform an den Nagel. Als 23-Jähriger wurde er zufällig auch Zaungast des missglückten Hitlerputsches in München, der später als „Marsch auf die Feldherrnhalle“ in die Geschichte einging. An Mariä Lichtmess, dem Kündigungstag der Knechte, quittierte er im Jahre 1927 seinen Dienst und wanderte nach Stuttgart, wo er vom Arbeitsamt als Fuhrmann zu einer Mannheimer Mühle vermittelt wurde.

In Schifferstadt heiratete er 1928 seine Frau Rose und führte mit ihr dort einige Jahre, in denen drei Kinder „ankamen“, ein höchst bescheidenes Leben in sehr beengten Wohnverhältnissen. In jenen Jahren, als Schmalhans Küchenmeister war, kam er alljährlich zur Versteigerung der Baumann‘schen Obsterträgnisse nach Altrip und lernte dabei den Ziegelei- und Gutsbesitzer Karl Baumann kennen. Hander schilderte ihm seine wohnliche Situation und erhielt prompt von ihm 1100 Quadratmeter Siedlungsland für „billiges Geld“ und dazu noch zahlbar in vier Jahresraten.

35 Jahre in die Fabrik geradelt
Die an seinem Grundstück vorbeiführende Ziegeleibahn lieferte ihm die benötigten Backsteine „frei Baustelle“. 1933 zog der Jubilar mit seiner Familie nach Altrip. In der „Annexe Bezirksstraße“, die damals lediglich vier Anwesen umfasste, gab es weder fließendes Wasser noch elektrischen Strom. Die Bewohner bohrten sich selbst Brunnen und behalfen sich mit Karbid- und Petroleumlampen. Hander, der mit den Dorfbewohnern wenig Kontakt hatte, keinerlei Hobby pflegte und auch in keinen Vereinen organisiert war, zimmerte Hasenkäfige, hielt sich einige Ziegen und pflanzte Kartoffel auf seinem großen Grundstück an. Bald wuchs die Familie auf neun Köpfe an. Die sieben Kinder genossen die Abseitslage vom Ort und der Vater musste oftmals hören, wenn in der Umgebung etwas „angestellt“ wurde: „Das waren wieder die Hander-Buben!“. Der katholische Familienvater arbeitete als Schicht- und Akkordarbeiter in der „Kutt“ in Mundenheim, verdiente dort auch, wie er stolz zu berichten weiß, „gutes Geld“ und wurde gar vom Arbeitsamt im Zweiten Weltkrieg als „unabkömmlich“ eingestuft, musste also nicht zum Militär. 35 Jahre radelte er in die Fabrik bis er vorzeitig wegen Bronchitis in Rente gehen konnte. Die Altriper Luft, in der Nähe des „Silbersees“, hat in jedoch wieder aufleben lassen. Mittlerweile haben sich zu den sieben Kindern 20 Enkel und 15 Urenkel gesellt. Seine Frau starb bereits vor 20 Jahren.

Trotz körperlicher Gebrechen erfreut sich der Jubilar einer selten guten geistigen Frische. Er wirkt gelöst, ja sogar heiter und ist seinen Kindern ein gütiger Vater, der mit sich und der Welt Frieden inzwischen geschlossen hat. Sein Rezept für ein so hohes Alter: Ein bescheidenes Leben mit viel körperlicher Arbeit, einer positiven Grundeinstellung sowie eine dauerhafte Ehe und einen tiefen Glauben an Gott.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 25. Mai 2000 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)
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