Im Konfettiregen

Wenn Ursaurier auf junge Hüpfer treffen, wummernde Bässe auf klingende Glöckchen und süße Berliner auf herzhafte Frankfurter, dann ist Fasnachtsumzug in Altrip. Ob da etwas los ist? Na klar. Am Rosenmontag tanzt in der Rheingemeinde nicht nur Cordula Grün auf der Straße. So viel steht schon mal fest.

Fliegende Schweinchen gibt’s nicht? Gibt es doch! In Altrip. Die Schautanzgruppe des Karnevalvereins Wasserhinkle zieht in Rosa durchs Dorf. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 25.02.2020 | Text: Britta Entzenauer | Foto: Lenz)

14.30 Uhr. Die letzten Konfetti-Schnipsel segeln langsam zur Erde. Die Klänge von Mickie Krauses Ohrwurm „Schatzi, schenk mir ein Foto“ werden immer leiser. Verbandsbürgermeister Patrick Fassott (SPD) steht mit gezücktem Smartphone auf dem Balkon des Rathauses. Ob er gerade ein Foto verschenkt? Oder nur ein allerletztes Bild macht? Der Altriper Umzug ist hier schon durch. Das ist die schlechte Nachricht. Die 21. und damit letzte Zugnummer ist gerade um die Ecke am Wasserturm gebogen. „Gib Gummi“ hat dabei noch einer von den Ruchemer Schlosshogger vom Wagen gerufen. Der Wasserturm steht aber noch. Das ist die gute Nachricht. Denn was wäre Altrip ohne sein Wahrzeichen?

Das Dorf muss derzeit schon ohne Ortsbürgermeister leben. Volker Mansky (parteilos) ist im Urlaub. Er hat aber für Vertretung gesorgt. Schließlich muss jemand an Fasnacht vom Rathausbalkon winken. Das hat hier Tradition. Heuer übernehmen diese Aufgabe ein Geistlicher, der bayerische Teil des Altriper Wappens und ein Rocker, sprich: der Erste Beigeordnete Michael Schreiner (FWG) im Talar, Verbandsbürgermeister Patrick Fassott im weiß-blauen Rautenanzug und Altbürgermeister Jürgen Jacob in Lederkluft. Letzterer verfügt ja über ausreichend Winkeerfahrung. Da kann nichts schiefgehen.

Direkt unter dem Balkon, dort wo die Feuerwehr Würste verkauft, steht Josef Hlawitschka. Seit über 25 Jahren sorgt er am Mikrofon für Stimmung. Er moderiert die Zugnummern an. „Ich war bei der Feuerwehr aktiv und helfe immer noch“, sagt er. Dann übt er schnell noch mit den Zuschauern das Ahoi-Rufen ein. Richtig, das war, bevor die Huddelschnuddler mit ihrer Guggemusik den Zug anführten. So gegen zwei.

Altrip ist am Rosenmontag aber nicht nur für eine halbe Stunde in Fasnachtslaune. Schon zwei Stunden bevor Wagen und Fußgruppen durch den Ort ziehen, beschallt die Dorfjugend die Gemeinde. Auf der Straße begegnen Männer mit grünen Gesichtern Mädchen in rosa Tüllröcken. In den Supermarkt geht es mit Lockenperücke, zum Kaffeetrinken in der örtlichen Bäckerei im Plüsch-Bademantel. Die Narren sind los. „Und alles läuft nach Plan“, sagt Wasserhinkle-Präsident Sven Otterstätter wenige Minuten vor dem Start. Die 21 Gruppen haben am Ludwigsplatz Stellung bezogen. „Es kann losgehen!“ Otterstätter freut sich, dass in Altrip gute Stimmung ist. Unterstützt wird der von den Altripern Fasnachtern organisierte Zug von örtlichen Vereinen wie zum Beispiel dem TuS im „Karneval-Feeling“, klimabesorgten Sportanglern und der Narreblos des Heimatvereins. Aber auch von Karnevalsvereinen aus der Region. Gar aus Edesheim angereist sind die Winzerbuwe. Mit summenden Bienchen. Sie machen Lust auf Frühling. Ja, es zieht mit den Fasnachtern ein frischer Wind durch Altrip,

Bilder werden von dem bunten Treiben ordentlich geschossen. Denn nicht nur der Verbandsbürgermeister hat sein Handy während der Parade gezückt. Verschenkt werden die Fotos von rosigen Prinzessinnen, kleinen Schlümpfen und wilden Indianern sicher nicht nur an Schatzis, sondern auch an Omis und Opis, Tanten und Onkels oder Mamas und Papas, die im Büro sitzen – obwohl es in Altrip Konfetti regnet.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 25. Februar 2020 | Text: Britta Entzenauer | Foto: Lenz)
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