Neues Leben für den alten Birnbaum

Kreis- und Stadtbewohner setzen sich für Landschaftspflege in Altrip ein –
Birnensorte ist noch unklar – Experten tippen auf Mostbirne

Aus seinem Dornröschenschlaf ist am Samstag in Altrip ein märchenhaft schöner Birnbaum geweckt worden. „Altrip blüht – die Initiative für biologische Vielfalt“ hatte zu einer Baumpflegeaktion unter professioneller Anleitung eingeladen. Mehr als 30 Interessierte, darunter Teilnehmer aus Schifferstadt, Dannstadt-Schauernheim und Ludwigshafen, konnte Dieter Neugebauer, federführendes Mitglied der Gruppe, begrüßen.

„Zwischen den Äckern schritt sie hindurch, auf dem Raine, den Fußpfad, Hatte den Birnbaum im Auge, den großen, der auf dem Hügel Stand, die Grenze der Felder, die ihrem Hause gehörten. Wer ihn gepflanzt, man konnt' es nicht wissen.“  
(Johann Wolfgang von Goethe)

Auf den Birnbaum: Die Helfer stoßen mit Schaumwein aus der schwäbischen Sorte „Champagner Bratbirne“ an. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 19.03.2019 | Text & Foto: ain)Zwei Erwachsene braucht es, um den Stamm des mächtigen Birnbaums am Prinz-Karl-Wörth zu umfassen. Denn sein Umfang beträgt gut 2,40 Meter. Auf „etwa 160 bis 200 Jahre alt“, schätzte Ewald Marschall, stellvertretender Vorsitzender der Fördergemeinschaft Streuobst Pfalz, das Alter des mächtigen Baums, dessen Äste sich eichenartig verästeln, ein. Am Nachmittag widmeten sich die Teilnehmer der Baumpflegeaktion dem alten Birnbaum. Eigens dafür hatte sich Dieter Neugebauer das Einverständnis der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Mannheim geholt, auf deren Fläche der Baum steht.

Frei nach dem Bibelspruch „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ kann die Bestimmung der Sorte erst im Spätsommer erfolgen. Bei dem Baum dürfte es sich sehr wahrscheinlich um eine Mostbirne handeln, erklärte Marschall. Denn: Bäume von Tafelbirnen werden nicht so alt.

Vormittags widmeten sich Baumwarte aus dem Rhein-Pfalz-Kreis und dem Kreis Kaiserslautern den jungen Zwetschgen- und Apfelbäumen in der Gemarkung „Am Waschhorst“. Sie machten Pflegeschnitte, damit die Bäume richtig wachsen und tragen können.

Auch für den alten Birnbaum wird es nicht die letzte Pflege gewesen sein. Im nächsten Jahr soll der knorrige, immer noch vitale Baum behutsam saniert werden. Nach Beendigung der Arbeiten, durch die der wärmeliebende Birnbaum jetzt wieder mehr Sonnenlicht erhält, stießen die Teilnehmer mit Schaumwein aus der schwäbischen Sorte „Champagner Bratbirne“ auf den Baum an. Ein neues Wahrzeichen im grünen Bereich für Altrip – und möglicherweise der stärkste Birnbaum im Rhein-Pfalz-Kreis.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 19. März 2019 | Text & Foto: ain)

 

RHEINPFALZ NilsNils erklärt: Saftig und lecker

In Opas Obstgarten steht auch ein „Trockener Martin“. Das ist eine uralte Birnensorte, deren Früchte die Leute früher gerne zum Kochen verwendet haben. Das war lange, bevor die Kartoffel aus Südamerika zu uns nach Europa kam. Schließlich wollten die Leute damals auch im Winter etwas zu Essen haben. Heute sind solche Sorten bei uns beinahe in Vergessenheit geraten. In Norditalien und in Südfrankreich verwenden Restaurants dagegen heute noch gerne die Früchte des „Trockenen Martins“ für Fleisch- und Wildgerichte, wie Opa bei einem Besuch unserer Freunde, den Rhône-Bibern, erfuhr. Ein Kilo Birnen von Martin secco oder Martin sec, wie die Sorte dort heißt, kostet gut und gerne sechs bis sieben Euro. Das ist mehr als das Dreifache, was Tafelbirnen wie „Williams Christ“ hier im Laden kosten. Im Rhein-Pfalz-Kreis gibt es noch einige große Birnbäume. Bei Fußgönheim stehen Mostbirnen wie die „Schweizer Wasserbirne“, aus deren Saft die Leute früher Wein und Schnaps gemacht haben. Die Bäume sind aber nicht nur für den Menschen nützlich, sondern auch für Tiere wichtig. So ein alter Birnbaum mit seinen vielen Höhlen stellt einen eigenen Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, Siebenschläfer und Wildbienen dar. Ich bin jetzt mal gespannt, wie sich der Altriper Birnbaum weiter entwickelt!

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 19. März 2019 | Text & Foto: ain)
Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website bieten zu können.