Wenn‘s auf der Kerwe Haue gibt

Spottgedicht von 1837 über einen auswärtigen Besucher

Die Kerwe war in der Pfalz noch bis vor wenigen Jahrzehnten einer der Höhepunkte des dörflichen Festalltags. Die Wohnungen wurden auf Hochglanz poliert und Kerwe-Kuchen gebacken. Die Gastwirte lockten mit Tanzveranstaltungen und Extrawürsten. In einem Fischerdorf wie Altrip gab‘s zusätzlich „Füsch“, der von so guter Qualität war, dass natürlich auch die Besucher aus den umliegenden Gemeinden zur Kerwe kamen. Auch wenn‘s manchmal Haue gab.

Speyerer Wöchentliches Anzeigenblatt

Über einen dieser auswärtigen Besucher machte sich 1837 ein Altriper mit einem Spottgedicht lustig, das in dem von Daniel Kranzbühler verlegten und in der Jacobsstraße 29 in Speyer gedruckten „Speyerer Wöchentlichen Anzeigenblatt“ erschien. Der Verfasser des Gedichts, der sich darin besonders über das angeberische Verhalten und die Versuche des Auswärtigen, hochdeutsch zu sprechen, amüsierte, ist leider unbekannt. Er signierte sein mit „Nachricht vom Kirchweyhfest in Aldrip“ überschriebenes Epos nur mit „St...r“. Die ungewöhnliche Rechtschreibung des Originals wurde bei der Zitierung beibehalten:

Vons Adams Jockel seinen Stangen
er Sprach was ist Heut anzufangen
es wird Jetzt gleich nach Alldripp gangen,

da gibt es Füsch und guten Wein
ich mechte Schon in Aldrip sein,
er Rente fort als wie ein Schneider
sein Kopf Standt wie ein BlitzAbleiter,

Sein Rock der Baßte auch So Fein
es mus des Adams Jockel Sein,
Und jetzt Kom er in Aldrip an
er Spricht So groß wie ein Barrahn

Er drenckte sich zu Bauren ein
Und Becherte Da Sehr viel wein,

Die mussick die war ihm Ser Reuzend
die Klesser wahren Lehr.
Er Sprach dann Jetzt in voller Brunst
das Schenste Mechgen (Mägdlein) her,

Mann Bracht Sie ihm
Jetzt gehts ans Tanzsen,
Er Hauste Ja er Tobte
Recht viel Aerger als ein Schefers Knecht --

Ja Archer als ein Brürsten Binder
es Staundten Männer Weiber Kinder
der Harr der Tanßt Ja gar so fein
es mus das Adams Jockel sein -

Er Tanßt so Schöhn so Rund so grad
als wie ein Altes Wagen Rad

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 18. April 2000 | Text: Bernhard Kukatzki)
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