Mittelalterliche Weltchronik soll Rathaus zieren

Werk des Abtes Regino gilt als älteste Schrift im Ort – Vervielfältigung der deutschen Übersetzung geplant

Nahezu 1100 Jahre nachdem der in Altrip geborene spätere Abt Regino von Prüm die erste auf deutschem Boden verfasste Weltchronik abschloss, hat die Gemeinde Altrip jetzt ein Exemplar seiner Chronik erhalten. Aufgespürt wurde das historische Werk über das Internet.

Das seit gestern der Gemeinde Altrip vorliegende Exemplar zeigt ein Abbild von Rotenhan, nach einem Gemälde von Dürer, und umfasst 72 Blatt. Das vor zehn Jahren aufwändig restaurierte Werk ist nunmehr die älteste Schrift in Altrip überhaupt.

Zu verdanken ist das dem Altriper Ansichtskartensammler, Jäger und Computerfreak Franz Kraus, der per Internet bei einem Kunstantiquariat in Münster die Chronik entdeckte, die dann ein Hobbyhistoriker ankaufte, um sie über eine Spendenaktion der Gemeinde zugänglich zu machen. Dieser besorgte auch eine Übersetzung der Chronik ins Deutsche von Ernst Dümmler aus dem Jahre 1890.

In Carl Michael Baumann fand sich schnell der richtige Sammler, denn dessen Großvater Michael hatte als Bürgermeister 1911 das Reginodenkmal in die Obhut der Gemeinde genommen, und sein Großonkel Ignatz war zu jener Zeit Vorsitzender des Regino-Denkmalkomitees. Zusammen mit weiteren Honorablen des Dorfes brachte er einen Großteil der Ankaufssumme zusammen.

Die Sponsoren freuen sich mit Bürgermeister Jürgen Jacob im Sitzungssaal der Gemeinde über die wertvolle Chronik. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 04.03.2005 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)Mit launigen Worten übergab Baumann die Chronik an den Ortschef und verband damit die Hoffnung, dass in Altrip die Erinnerung an Regino wieder wach werden möge. Bürgermeister Jacob freute sich über das bürgerschaftliche Engagement und versprach, die Chronik in einer entsprechenden Vitrine im Rathaus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Als „Dankeschön“ übergab Jacob den Spendern die deutsche Übersetzung der Regino-Chronik und kündigte an, dass sich demnächst alle Interessenten an einer solchen Ausgabe in eine Vormerkliste im Rathaus eintragen lassen können. Die Gemeinde werde gegen eine Gebühr die entsprechenden Vervielfältigungen vornehmen.

Es spricht für Regino, dass sein Werk „Chronicon“ über 600 Jahre nach seinem Erscheinen mittels der neuen Gutenbergschen Buchdruckerkunst im Jahre 1521 vervielfältigt wurde und sich während des ganzen Mittelalters einer breiten Leserschaft erfreute. Die Edition besorgte seinerzeit Sebastian von Rotenhan, der in den Bauernkriegen gegen die „rotzigen Bauern“ in Erscheinung trat. Der Druck selbst erfolgte bei Johann Schöffer in Mainz.

Der Text der Buchdruck-Erstausgabe basiert auf einer Abschrift von Peutinger. Die Urfassung hatte der Geschichtsschreiber dem Bischof Adalbero von Augsburg, Erzieher Ludwigs des Kindes, und damit dem letzten ostfränkischen Karolinger gewidmet.

Der erste Teil der Chronik datiert von Christi Geburt bis zum Tode Karl Martells im Jahre 741; der zweite Teil bis zum Jahre 906. Von unbekannter Handschrift wurde das Werk bis zum Jahre 967 fortgesetzt. Regino war übrigens der erste Universalchronist, der sein Werk nicht mehr mit der Erschaffung der Welt beginnen lässt. Als weitere Besonderheit wandte Regino erstmals in der Geschichtsschreibung die durchgehende Zählung nach den Inkarnationsjahren an.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 4. März 2005 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)
Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website bieten zu können.