Hochzeit vermasselt

Von der „Hochzeitsmesse 2000“ in der Friedrich-Ebert-Halle bis zurück zum „Hochzischloch“ in grauer Vergangenheit, wie es der Rheingönheimer Lokalhistoriker Walter Schäfer mit dieser Sage vor der Vergessenheit bewahrte, ist der Bogen zwar recht weit gespannt. Doch wollen wir hier dieser Mär der Ortsgeschichte einmal nähertreten.

Das sagenumwobene „Hochzischsloch“ wird durch diesen einsamen Baum begrenzt. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 20.01.2000 | Text: kam | Foto: privat)  Auf der Hochwasserstraße, wo der Weg zum „Weißen Häus‘l“ abzweigt, so erzählt Walter Schäfer, findet man noch eine einzelne Pappel, einen „Belleboom“. Er ist Rest einer vor dem Zweiten Weltkrieg dort existierenden Pappelallee. Diesen Baum habe ihm Werner Helf als Hinweis auf das „Hochzischloch“ gezeigt. Die Pappel warte zwar immer noch auf eine Kennzeichnung durch die Stadt, aber dafür, meinte Schäfer in seiner Schilderung, steht ja das „Sperrschild für Hochzeitskutschen“.

Was hat es nun mit dem „Hochzischloch“ auf sich? Die damalige Bezirksstraße nach Altrip führte an diesem „Belleboom“ vorbei. Hier, wo heute Camper ihre Freizeit verbringen, befand sich ein riesiges Wasserloch, Teil der heute noch gerühmten Rheinauen. Diese bestimmten bekanntlich das Landschaftsbild.

In alter Zeit, wie es in der zur Sage gewordenen Geschichte heißt, fuhr eine Hochzeitskutsche mit dem Brautpaar und einer froh gestimmten Gesellschaft den alten Weg, aus Rheingönheim kommend, in Richtung Altrip. Ein strahlender Sternenhimmel habe über ihnen gestanden, und im Nachklang zur Hochzeitsfeier wurde gelacht und gesungen.

Dem Kutscher, der die Zügel für seine Rösser vermeintlich fest in der Hand hielt, fielen die Leinen vor Schreck aus der Hand, als aus einem Weg, der zum Rheinstrom hinunter führte, eine mächtige dunkle Gestalt auftauchte, mit einem schwarzen Schlapphut auf dem Haupt.

Für die Hochzeitsgesellschaft gab es wohl nach alter germanischer Glaubensvorstellung keinen Zweifel, dass sich ihnen Wotan in den Weg stellte, der Lenker von Kriegsgeschick und Todesschicksal. Die Pferde rasten, nicht mehr von den Zügeln gelenkt, mit der voll beladenen Kutsche direkt ins Wasserloch. Das Wasser schlug über ihr zusammen, und weder Brautpaar noch Hochzeitsgesellschaft kamen je zurück. Die Stätte dieses Unglücks wurde seitdem vom Volksmund das „Hochzischloch“ genannt. Dass in hellen Mondnächten mitunter noch das leise Klagen der Verunglückten zu hören ist, munkelt man hin und wieder... 

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 20. Januar 2000 | Text: kam | Foto: privat)  
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