Brot und Spiele mit Tuniken und Taverne

Geschichtsverein rüstet sich für große Römer-Ausstellung im Bürgerhaus – Exponate aus Speyer und Rheinzabern

„Romani ante Portas“, heißt die Losung derzeit in Altrip – Die Römer stehen vor der Tür. Der Heimat- und Geschichtsverein rüstet sich in Zusammenarbeit mit der Gemeinde für die große Ausstellung über „Die Römer in Altrip“, die an den letzte beiden Januarwochenenden im Bürgerhaus zu sehen ist.

Dem Modell des Kastells „alta ripa“ und seinem Gründer Valentinian I. widmet sich ein Raum der Ausstellung. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 12.01.2005 | Text: Wolfgang Schneider | Fotos: Lenz)

Gezeigt werden römische Exponate aus dem Archiv des Historischen Museums in Speyer, also Gegenstände, die sonst nicht zu sehen sind, sowie Terra sigillata (römische Keramik) mit reichlichen Rädchenverzierungen aus der einstigen römischen Töpferstadt Rheinzabern.

Von besonderem Interesse dürften dabei spezielle Fundstücke aus Altrip sein. Leider ist der gesamte Fundbestand aus den Kastellgrabungen von 1884 bis 1886, 1910 und 1919 sowie von 1926/27 und 1932 im Bombenhagel des letzten Kriegs in Berlin vernichtet worden. Doch bei Kanalisationsarbeiten 1961 wurden noch etliche Kleinfunde geborgen.

Einem vor 70 Jahren entdeckten Einzelfund – eine Bronzekelle – kommt eine spezielle Bedeutung zu. Das Haushaltsgerät mit starken Gebrauchsspuren wurde von seinem Besitzer einfach in den Rhein geworfen. Lange Zeit hatte es wohl seinem Zweck gedient, denn nach einem Lochschaden wurde gar ein dünnes Bronzeblech auf der Außenseite aufgelötet.

Eine weitere Rarität stellt eine Fußbodenplatte mit dem Abdruck einer Hundetatze dar. Daneben sind Firnis-Ware und Terra nigra sowie Schwerkeramik, etwa eine Reibschale, zu sehen, und natürlich auch das Modell eines Brennofens. Im so genannten Kastellraum, in dem sich das Modell der spätrömischen Festungsanlage „alta ripa“ befindet, wird insbesondere an den Gründer von Altrip, Kaiser Valentinian I, erinnert. Das trapezförmige Kastell hatte an seiner Breitseite immerhin eine Länge von 130 Metern, seine Mauern waren drei Meter dick. Sogar eine Warmluftheizung war installiert, der Putz mit Malereien verziert.

Eine Zeitreihe liefert dem interessierten Besucher alle Daten vom Gallischen Krieg bis zum Untergang des Römischen Reichs. Und von den schweren, in Altrip gefundenen Weihesteinen wurden in Speyer Großfotos für die Ausstellung angefertigt.

Legionäre aßen vor allem den braunen Getreidebrei Puls. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 12.01.2005 | Text: Wolfgang Schneider | Fotos: Lenz)Zahlreiche Mitmach-Aktionen

Unter Federführung von Elke Knöppler, der Verfasserin des „Altriper Wörterbuchs“, soll in der Ausstellung Geschichte auch für Leute attraktiv gestaltet werden, die sonst nicht in ein Museum gehen. Mit einer Erlebniswelt gibt es daher viele Mitmach-Aktionen. So hat die frühere Altriper Lehrerin Heide Hook eine ganze Reihe von Tuniken für Kinder gefertigt, in die die kleinen Ausstellungsbesucher schlüpfen können. Außerdem hat sie auch einen Senator ausstaffiert und typische Kleidung für ein Bürger- und ein Sklavenpaar geschneidert. Auch erwachsene Besucher werden sich römische Gewänder überstreifen können – „Kleider machen Römer“. Auf Wunsch werden Fotos gemacht, die dann auf die Webseite des Vereins gestellt werden.

Ein Raum ist für Spiele und Basteleien vorgesehen. Dort können nicht nur Kinder etwa eine römische Rundmühle mit Steinen in einem Ledersack basteln, sondern sich Erwachsene auch an Gesellschaftsspielen erfreuen. Auf der Galerie des Bürgerhauses gibt es auch Videos der besonderen Art zu sehen: über experimentelle Archäologie beispielsweise oder Gladiatoren.

Am 22. und 23. Januar wird zudem eine Töpferin aus dem Terra-sigillata-Museum in Rheinzabern die Herstellung der römischen Keramik demonstrieren. Videos und Keramik können käuflich erworben werden. Zusätzlich informiert die Buchhandlung Walter über das breite Spektrum der Literatur über die Römer in unserem Raum.

In einer „Lucullus Taverne“ wird zwar nicht Puls, der dicke, bräunliche Getreidebrei angeboten, den die Legionäre jeden Tag zu essen bekamen – denn das Auge isst ja bekanntlich mit, sondern zwei römische Menüs: eine spezielle Rindfleischsuppe mit Mostbrötchen und ein Römischer Teller mit Frikadelle, Salaten, Datteln und geheimnisvollen Ingredienzien. Daneben gibt es auch das bekannte Angebot: Hausmacher, Kuchen und Kaffee.

INFO
— Ausstellung „Die Römer in Altrip“ vom 22. bis 30. Januar im Bürgerhaus „alta ripa“
— Geöffnet: an den beiden Samstagen von 14 bis 19 Uhr, an den Sonntagen von 11 bis 18 Uhr

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 12. Januar 2005 | Text: Wolfgang Schneider | Fotos: Lenz)
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