Auf Grundmauern neu errichtet

Einst war sie verfallen, später der Neubau abgebrannt: Die protestantische Kirche in Altrip wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach wieder aufgebaut. Das heutige Kirchenschiff und die Orgel sind 125 Jahre alt. Dieses Jubiläum feiern die Protestanten am Wochenende.

Der alte Turm hat die Jahrhunderte überdauert. Das Kirchenschiff der protestantischen Kirche in Altrip wurde zuletzt vor 125 Jahren wieder aufgebaut. Der Innenraum der Kirche und die Außenwände wurden 1967/68 renoviert. Die Umgestaltung innen brachte wesentliche Veränderungen mit sich: Die Seitenemporen sind weg. Es gibt nur eine über dem Eingang. | Fotos Lenz / HGV, frei

1891. Ein Brand zerstört die protestantische Kirche in Altrip. Für die Kirchengemeinde sicherlich ein schwerer Schlag. Das Kirchenschiff war schließlich noch keine 150 Jahre alt. Zwischen 1751 und 1754 wurde es neu gebaut. Bereits im Jahr 1605 sei die Kirche baufällig gewesen und 1717 durch die zwei französischen Kriege an Türen, Fenstern und am Dach beschädigt worden, berichtet Chronist Reinhold Schneider. „1739 war die Kirche fast völlig verfallen.“

Nur der romanische Turm aus dem 13. Jahrhundert hat den Brand überstanden und ist bis heute das Wahrzeichen der Altriper Kirche geblieben. Die eigentliche Kirchengemeinde gibt es noch nicht ganz so lange. „Als Gründungsjahr kann wohl 1556 angesehen werden“, sagt Pfarrer Alexander Ebel.

Gottesdienst im SchulsaalIn den Jahren 1893 bis 1894 entstand auf den alten Grundmauern der abgebrannten Kirche der Neubau. Die Gemeinde stellte damals dem Pfarrer den Schulsaal zur Verfügung, damit er während der Bauarbeiten mit den Gläubigen Gottesdienst feiern konnte. Gut 70 Jahre später wurden die Außenwände renoviert und der Innenraum der verhältnismäßig neuen Kirche in den Jahren 1967/68 umgestaltet. Die beiden Seitenemporen wurden herausgenommen. Heute gibt es nur noch eine Empore mit der Orgel über dem Eingang. Außerdem erhielt der Innenraum damals eine neue Beleuchtung und neue Fenster.

Zur Fertigstellung des Kirchenbaus bekam die Kirchengemeinde vor 125 Jahren zudem eine neue Orgel. Geliefert wurde sie von den Gebrüdern Link, Orgelbaumeistern aus Giengen an der Brenz. Der damalige Pfarrer Buchholz weihte sie zusammen mit der neuen Kirche am 20. Oktober 1894 ein, berichtete Walter Sattel in seiner Veröffentlichung „450 Jahre protestantische Kirchengemeinde Altrip“, die 2008 erschienen ist.

Überholte Orgel überzeugtDas 125-jährige Bestehen der Kirche in diesem Jahr war nun der Anlass, diese historische Link-Orgel zu restaurieren. Dafür wurde die Orgel deinstalliert und in die Werkstatt nach Giengen gebracht. Inzwischen ist sie an ihren Standort zurückgekehrt und wird wieder gespielt. Die Restaurierung soll dem Instrument gut getan haben: „So gut hat sie noch nie geklungen“, hat Pfarrer Alexander Ebel als begeistertes Feedback in seiner Kirchengemeinde vernommen.

Nun können sich auch die Altriper am Samstag, 19. Oktober, um 18 Uhr beim Festkonzert von den neuen Klängen überzeugen. Das Festkonzert bestreiten Bezirkskantor Tobias Martin und das Kammerorchester „Capella alta ripa“ mit Streichern unter Leitung von Beate Wiesel. Auf dem Programm stehen Werke von Händel, Tomas Albinoni, Wolfgang Amadeus Mozart, Josef Rheinberger, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy. „Ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Konzert“, verspricht Beate Wiesel.

Musik einfach genießenIm Anschluss daran, gegen 19.30 Uhr, wird Orgelbaumeister Thomas Wohlleb von der Orgelbaufirma Link für Interessierte eine Orgelführung auf der Empore anbieten. Mit einem kleinen Umtrunk klingt der Abend aus. Der Eintritt sei frei, informiert Pfarrer Ebel. Denn die Kirchengemeinde möchte sich bei allen bedanken, die die Orgelrestaurierung unterstützt haben. „Man kann die Musik genießen.“ So gab es große und kleine Spenden sowie Zuschüsse von der Kommune und der Landeskirche. Zudem kamen auch Gelder von der Kulturstiftung der Kreissparkasse und der Volksbank.

Am Sonntag, 19. Oktober, wird dann um 10 Uhr der Festgottesdienst zum 125. Kirchenjubiläum im Gotteshaus stattfinden. Als Gastpredigerin wird Pfarrerin Mechthild Werner sprechen. Für die musikalische Gestaltung sorgt der protestantische Kirchenchor unter Leitung von Alfred Hirsch.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 17. Oktober 2019 | Von Mechthild Möbus)
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