Gala-Abend ohne Glocken

Volker Bengl und Ulrike Machill erinnern in Altrip an goldene Zeiten

„Glocken der Heimat“ ist der Titel des Konzerts von Tenor Volker Bengl und seiner Schwester, Sopranistin Ulrike Machill, gewesen. Auf der Bühne des Altriper Reginozentrums harmoniert das Paar bestens. Beide singen, was gut und beliebt ist. Das lieferte emotionale Momente, war mitunter aber auch düster und ein bisschen gruselig.

Gefühlvoll, ohne sentimental zu werden: Volker Bengl. | FOTO: LENZZwar gab es keine Glocken, nicht in der Musik und auch nicht in einem der Liedtexte, aber viele bekannte und beliebte Arien aus Oper und Operetten und dazwischen auch etliche Volkslieder. Der Titel des Abends konnte aber wohl Erinnerungen wecken an die goldene Zeit der Gala-Abende im Fernsehen mit Anneliese Rothenberger und Rudolf Schock, und die Sänger erfüllten diese Erwartungen auch ohne Blumenschmuck und Showtreppe. Moderator Ralf Kissel wusste viele der Anekdoten und Geschichten über Komponisten und Sänger, die man nicht via Google finden kann.

Die Geschwister Bengl sind in der Region aufgewachsen, Volker Bengl gehörte nach seiner Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik in Mannheim 16 Jahre zum Ensemble des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München und war daneben als Gast in vielen renommierten Opernhäusern zu hören, Ulrike Machill ist am Musiktheater Heidelberg engagiert. In Altrip sangen sie, was gut und beliebt ist. Bengl leitete ein mit der Arie des Prinzen Orlowsky aus der Fledermaus von Johann Strauß: „Ich lade gern mir Gäste ein.“ Später verwandelte sich Machill sängerisch in die kecke Kammerzofe Adele, die auf dem Ball unerkannt im „geliehenen“ Kleid ihrer Dienstherrin als Sängerin Olga ihren inkognito erschienenen Dienstherrn becirct: „Mein Herr Marquis“.

Düster und leicht gruselig wurde es im Freischütz von Carl Maria von Weber – für das Donnergrollen zeichnete Takako Rurukawa am Klavier verantwortlich. Erst versuchte Ännchen – Ulrike Machill – ihre Cousine Agathe aufzumuntern mit „Kommt ein schlanker Bursch gezogen“, dann kam Volker Bengl als Max des Weges durch die Wolfsschlucht mit „Durch die Wälder, durch die Auen“. Quasi zur Entspannung folgten ein paar Volkslieder – „Frühmorgens, wenn die Hähne krähn“ oder „Bunt sind schon die Wälder“. Dass die Geschwister auf der Bühne trefflich harmonieren, zeigten sie in mehreren Duetten, das erste aus der Operette „Das Dreimäderlhaus“, in dem sich alles um Franz Schubert und seine Musik dreht: „Was könnt schöner sein als ein Wiener Lied“.

Macht man die Augen zu, glaubt man oft, Rudolf Schock zu hören. Tatsächlich nahm Volker Bengl lange Unterricht beim berühmten Schock, der so gut Unterhaltung mit ernsthaftem Anspruch verbinden konnte. Es ist weniger der unmittelbare Klang, als vielmehr die Art, den Ton zu formen, ihn lange aushalten zu können und noch im leisesten Pianissimo klar jeden Hörer zu erreichen, auch die genau richtige Dosierung der Emotionen im Ton – ohne Sentimentalität, aber gefühlvoll. Das wurde auch deutlich bei „Selig sind, die Verfolgung leiden“, aus dem „Evangelimann“ von Wilhelm Kienzl, oder bei „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette „Land des Lächelns“ von Franz Lehar. Etwas Besonderes, das man nicht in der Klassikhitparade finden wird, war die Arie Ulrike Machills aus der Oper „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold, dafür aber ihr „Viljalied“ aus der „Lustigen Witwe“ von Franz Lehar umso mehr.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 15. Oktober 2019 | Von Andrea Dölle)

 Weitere Bilder von dieser Veranstaltung finden Sie hier in unseren Fotoalben zum Jubiläumsjahr.

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