„Bloß keinen aus Waldsee heiraten“

Altrip feiert heuer sein 1650-jähriges Bestehen. Die ereignisreiche Geschichte lässt der MGV 1867 in einem szenischen Konzert Revue passieren. Als Rentner Ernst und Karl erinnern Joachim Kotter und Horst Hook sich in Pfälzer Mundart an besondere Begebenheiten. Was die Gäste am 25. August erwartet? Das müssen Sie sich selbst ansehen. Na gut, ein bisschen was wird verraten. Es geht um Flüsse, Fehden und fiese Plagegeister.

Haben schon mit Tulla den Rhein begradigt – zumindest erinnern sich Joachim Kotter und Horst Hook daran, zusammen mit dem MGV Altrip bei einem szenischen Konzert. | FOTOMONTAGE: MGV/FREI

Herr Kotter, spielt in dem Stück auch die Retzer-Eiche, die leider nicht mehr steht, eine Rolle?

Die kommt komischerweise nicht vor. Sie war aber tatsächlich ein Altriper Markenzeichen, das ist also ein guter Punkt. Vielleicht reden wir noch mal mit Monika Stahl, die die Texte verfasst hat, und Nela Feuerstein, die sie aus dem Hochdeutschen ins Pfälzische übersetzt hat, und finden eine Möglichkeit, die berühmte Retzer-Eiche doch noch einzubauen.

Manche Altriper verbinden mit diesem speziellen Baum ja die ein oder andere romantische Erfahrung. Haben Sie abseits Ihrer Rolle als Ernst selbst noch Erinnerungen an die Retzer-Eiche?

In frühester Jugend war ich dort öfter – mit Freundinnen und mit Freunden. Der Platz war für Treffen ja geradezu prädestiniert, da er über den Leinpfad auf dem Horrendamm den Rhein entlang gut zu erreichen war, unter dem Baum eine Sitzbank stand und man zu gewissen Zeiten völlig ungestört blieb – von den Schnaken mal abgesehen. Diese Plagegeister und ihre Bekämpfung behandeln wir im Stück ebenfalls.

Auf welche weiteren markanten Altriper Geschichten dürfen sich die Besucher freuen?

Es geht zum Beispiel um die Rheinschifffahrt und Tullas Pläne zur Begradigung des Flusses, die häufigen Hochwasser vor dem Bau des Damms, natürlich die Gründung des Römerkastells, den Abt Regino und – in einem unserer unvermeidlichen Zeitsprünge – die Entstehung des MGV. Daneben erinnern wir uns an den Bau des Wasserturms und den Brand des Dachstuhls noch vor dessen offizieller Einweihung. Dazu kam es, weil die Altriper das Ganze bengalisch beleuchten wollten.

Wird das Konzert auch für jüngeres Publikum interessant?

Wenn sie sich für die Geschichte ihrer Gemeinde interessieren, ja. Wir gehen nämlich unter anderem darauf ein, dass heute in der jungen Verbandsgemeinde Rheinauen Orte vereint sind, zwischen denen einst ständig der Fehdehandschuh geworfen wurde. Altriper und Waldseer mochten sich damals gar nicht. Da hieß es dann etwa: „Du heiratest auf keinen Fall eine(n) aus Waldsee. Mit denen wollen wir nichts zu tun haben.“ Außerdem erzählen wir von der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Dorfs, erinnern an örtliche Firmen wie die Gebrüder Baumann, die die Dampfziegelei betrieben haben, und rufen ins Gedächtnis, dass viele Altriper im Großkraftwerk und in der BASF Arbeit fanden. Was viele wohl nicht wissen, ist, dass früher viele Schiffer in Altrip mit ihren Unternehmen ansässig waren.

Das klingt nach ganz schön viel Stoff für Geschichten ...

Ja, und damit die Leute nicht von all den Daten erschlagen werden, lockern der Gemischte Chor des MGV und Lutz Pfeuffer an der Gitarre die Vorstellung immer wieder mit Liedern auf.

TERMIN
Szenisches Konzert des MGV 1867 zum Altriper Dorfjubiläum am Sonntag, 25. August, 19 Uhr, im Regino-Zentrum. Karten für die Veranstaltung gibt es für acht Euro im Vorverkauf bei Evi’s Trafik, Dürerstraße 1 in Altrip und für zehn Euro pro Person an der Abendkasse.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 15. August 2019 | Interview: Markus Müller)
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