Römerin, Regino und Rheingold

1650 Jahre – und Altrip lässt es krachen. Zum Fischerfest hat es anlässlich des Jubiläums einen Umzug durch den Ort gegeben. Bei dem Streifzug durch die Geschichte gaben sich Sagenfiguren und historische Größen ein Stelldichein. Und während die einen tapfer liefen, ließen sich andere ganz schlau kutschieren. 

Oben links: Wasser marsch - Die alte Spritze der Wehrleute der Verbandsgemeinde Rheinauen funktioniert noch bestens. | Oben rechts: Jeder nur ein Kreuz: Paul Platz und Volker Knörr. | Unten links: Ahoi - Jürgen Jacob. | Unten rechts:  Ave Cäsar - Römerinnen zu Gast in Altrip. || ALLE FOTOS: LENZ

Von den hohen Burgmauern des Umzugswagens grüßen die Narren in Togen und Legionärsuniformen „das Volk von Alta Ripa“ und verteilten Wassereis an die Zuschauer. Die Karnevalsgesellschaft „Wasserhinkle“ ist zum Umzug am Sonntag mit ihrem nachgebauten Kastell zum Fischerfest-Umzug angerückt. Und erinnert so an die Anfänge des Ortes, der in diesem Jahr sein 1650-jähriges Bestehen feiert. Die Fasnachter sind nicht die einzige der 49 Zugnummern, die sich von der Geschichte hat inspirieren lassen. In weißen Tuniken bezaubert eine Gruppe Römerinnen das Publikum – und auch der Heimat- und Geschichtsverein hat zusätzlich zu den Trachten noch die langen Gewänder und Lorbeerkränze ausgepackt.

Von der Antike ins frühe Mittelalter geht es mit den Vertretern der Kreisverwaltung. Die lassen den Abt Regino vom Prüm, der um das Jahr 840 in Altrip geboren sein soll, symbolisch in den Ort zurückkehren – stilecht begleitet von einem Ritter mit Helm und Kettenhemd. An die alte Sage der Männlein von Altrip erinnern die Kinder, Eltern und Erzieher der Geschwister-Scholl-Kita mit ihren Zipfelmützen, während die Friedrich-Fröbel-Kita mit schillernden Umhängen aus Gold- und Silberpapier das Rheingold nach Altrip bringt.

Für einen Zeitreise-Effekt sorgt auch die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rheinauen, die neben ihrem neuesten Löschfahrzeug auch eine Feuerspritze aus dem 19. Jahrhundert, Wassereimer aus früheren Zeiten, die die Feuerwehrleute wie Rucksäcke tragen mussten, und alte Uniformen beim Umzug vorführen. Die Spritze erweist sich während des Umzugs noch als voll funktionstüchtig: Die Feuerwehrleute lassen immer wieder kleine Regengüsse auf die Zuschauer niedergehen.

Wie die Feuerwehrleute hat auch der Evangelische Krankenpflegeverein ganz tief in den Kleiderschränken gekramt. Die Schwestern präsentieren ihre historische Berufskleidung vom Nonnenhabit aus dem Mittelalter bis zur Moderne. Und passend dazu noch einen Patienten dabei – mit Nachthemd und Schlafmütze bekleidet hat der es sich in einem Krankenbett auf Rollen bequem gemacht und lässt sich von den Pflegerinnen durch die Straßen schieben. „Alles richtig gemacht“, meinen die Kommentatoren auf der Bühne am Wasserturm. So wie Fischerkönigin Lisa II., die in der Kutsche ankommt – oder auch wie der frisch verabschiedete Ortsbürgermeister Jürgen Jacob, der sich Boot auf seine letzte Dienstreise begibt.

Bei aller Gemütlichkeit geht es auf dem Fischerfest-Umzug durchaus auch sportlich zu. Die Tanzgruppe des Männergesangvereins hält den Tross kurz auf, um vor der Bühne eine Tanzeinlage zu Micheal Jacksons „Billie Jean“ zu zeigen. Die Gewichtheber des Athletenclubs Altrip machen sich mit einer riesigen Hantel, die von zwei Leuten zusammen getragen werden muss, auf den Weg, während die Tischtennisabteilung des TuS Altrip auf ihrem Bollerwagen eine winzige Tischtennisplatte mit sich ziehen, auf der die Mitglieder eifrig Rundlauf spielen. Die Alten Herren des TuS zeigen, dass sie nicht nur fußballerisch, sondern auch musikalisch einiges draufhaben. Vor der Bühne steigen sie aus den Waggons ihrer Mini-Lokomotive und geben eine Gesangseinlage zum Besten. Bestens gelaunt zeigen sich auch die C-Jugend-Fußballer der TuS, die ihren Meistertitel in der Landesliga feiern und stolz eine selbstgebastelte Meisterschale aus Alufolie präsentieren.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 9. Juli 2019 | Von Elena Bruckner)
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