Der Kaiser und „sein“ Dorf

Er ist lange fast in Vergessenheit geraten, der römische Kaiser Valentinian. Dabei hat er in der Region gewirkt und auch einiges hinterlassen. Zum Beispiel Altrip. Dank seiner Gründung des Kastells Alta Ripa feiert die Rheingemeinde stolz ihr 1650-jähriges Bestehen. Zum Ortsjubiläum kommt der Kaiser groß raus – und lockt sogar Malu Dreyer nach Altrip.

„Es wird ja auch Zeit nach 1650 Jahren.“ So kommentiert Alois Eitl augenzwinkernd die Tatsache, dass Kaiser Valentinianus I. endlich ein Denkmal erhält in dem Ort, der aus seinem römischen Bollwerk gegen die Germanenstämme entstanden ist. Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), der maßgeblich die Altriper Jubiläumsveranstaltungen organisiert und koordiniert, hatte schon früh eine angemessene Würdigung für den Kaiser im Sinn. Denn wer kann sich schon auf die Urkunde eines römischen Kaisers als erste Erwähnung eines Orts berufen? Altrip kann’s. Valentinian unterzeichnete hier im Kastell im Juni des Jahres 369 nach Christus ein Gesetz. Und jetzt wird für die Enthüllung der fertigen Stele am Samstag, 16. März, am Bürgerhaus Alta Ripa sogar Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) aus Mainz anreisen.

Viel Ehre für den alten Kaiser, dem derzeit auch eine Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer gewidmet ist: „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike.“ Teile dieser Ausstellung werden, ergänzt durch Altriper Funde, im November auch in Altrip zu sehen sein zum Jubiläum.

Schon vor fast drei Jahren hat Eitl den Bildhauer Siegfried Keller aus Harthausen wegen einer Stele angesprochen, erinnert sich dieser. Der 57-Jährige begann zu recherchieren und zu planen, zeichnete Entwürfe, machte Vorschläge fürs Material und sich nach Abstimmung mit dem HGV an die wochenlange Arbeit. Jetzt ist die Stele fertig: Ein 2,20 Meter hohes und 70 Zentimeter breites Kunstwerk aus fränkischem Juramarmor, fast eine Tonne schwer. Im Mittelpunkt steht die Nachbildung einer römischen Originalmünze mit dem Konterfei des Kaisers als vergoldete Intarsie, erzählt der Künstler. Name und Lebensdaten sowie das Gründungsjahr Altrips sind in einer klassischen Schrift eingraviert, erläutert Keller, der „Capitalis quadrata“.

Weil Valentinian damals vor allem in der Gegend weilte, um den Grenzwall Limes als Schutz gegen die Germanen wieder zu befestigen und zu sichern, hat Siegfried Keller auf der Stele auch den Verlauf dieser Grenzlinie und den Lauf des Rheins verewigt. Als Orientierungspunkte sind die alten römischen Siedlungen Mogontiacum (Mainz) und – natürlich – Alta Ripa vermerkt.

Dass die Ministerpräsidentin das Valentinians-Denkmal, das bereits an seinem Standort am Bürgerhaus errichtet worden ist, einweihen wird, freut Siegfried Keller besonders. Außerdem: „Mir ist bei der Beschäftigung mit diesem Thema erst klar geworden, dass das schon etwas Besonderes ist, dass hier der Kaiser eines Weltreichs unterwegs war und seine Spuren hinterlassen hat.“

Und auch noch einer von den Guten, wie Wolfgang Schneider findet. Der Altriper Hobbyhistoriker beschäftigt sich schon lange mit dem Kaiser und seiner Zeit in Altrip. Das Ortsjubiläum hat der Diplom-Verwaltungswirt und frühere Ortsbeigeordnete zum Anlass genommen, ein Buch über den Ortsgründer zu verfassen und im Eigenverlag zu veröffentlichen: „Der römische Kaiser Valentinianus I. und sein Bollwerk Alta Ripa“. Schneider beschreibt anhand der Erlebnisse eines fiktiven Legionärs die realen Ereignisse in römischer Zeit im Kastell, und erläutert in einem Sachteil einiges zur Lebensgeschichte Valentinians und der Entstehung des Kastells, beschreibt Münzen, antike Funde und bekannte Persönlichkeiten jener Zeit.

Man erinnere sich eher an die „Bösen“, meint der 77-Jährige, an Nero etwa oder Caligula. Valentinian dagegen, ein Christ, sei mehr ein Wohltäter gewesen, tolerant gegenüber anderen Religionen und Heiden, und wohl ein geschickter Verhandler. Er habe sich nicht, wie so viele andere im alten Rom, an die Macht geputscht, sondern sei von den Truppen zum Kaiser gewählt worden. Und er sei auch nicht – wie ebenfalls viele andere – gemeuchelt worden, sondern wohl an einem Schlaganfall gestorben. Spricht für einige Friedfertigkeit des Kaisers.

Schneider schlägt mit seinem Buch eine Brücke zu Geburts- und Sterbeort des Kaisers. Denn vom Kaufpreis – zwölf Euro – wird er jeweils zwei Euro spenden, an SOS-Kinderdörfer in Kroatien und Ungarn, kündigt er an. Teile dieser Länder gehörten früher zur römischen Provinz Pannonien. Da kam Valentinian her und dort ist er gestorben. „Wer weiß“, sagt Schneider mit einem Augenzwinkern, „vielleicht leben dort noch Nachkommen des Kaisers.“

TERMINE

  • Enthüllung der Valentinian-Stele am Samstag, 16. März. 14 Uhr Festakt im Bürgerhaus Alta Ripa für geladene Gäste, gegen 15 Uhr Enthüllung durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer vor dem Bürgerhaus, mit römischen „Legionären“, römischem Essen und Originalmusik der Gruppe Classicum. Veranstalter: Heimat- und Geschichtsverein und Ortsgemeinde.
  • Vortrag über Valentinian I. und Vorstellung seines Buches durch Wolfgang Schneider am Samstag, 9. März, 15 Uhr, Edith-Stein-Haus, Moltkestraße.
(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 19. Februar 2019 | Von Ulrike Minor)
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