Römerkaiser, Mönch und Fußballprofi

Jubiläumsjahr - Das pfälzische Altrip blickt auf eine 1650-jährige Geschichte und viele Persönlichkeiten zurück

Ein Römerkaiser gilt als Gründer der Gemeinde, ein mittelalterlicher Mönch und Historiker als bedeutendster Sohn, ein begnadeter Fußballtrainer geht als „Meistermacher“ in die deutsche Sportgeschichte ein und ein Fußball-Nationalspieler wurde zum Aushängeschild – alle diese Persönlichkeiten sollen 2019 unter einen Hut gebracht werden: Denn die Rheingemeinde Altrip feiert ihren 1650. Geburtstag.

Solange weiß man um die Existenz dieses ehemaligen Fischerdorfes, das urkundlich im Jahr 369 erstmals erwähnt wurde, als Valentinian (321-375) Kaiser im fernen Rom war. Er ließ 369 auf einer Erhöhung am Rhein gegenüber der Neckarmündung ein Kastell bauen, um die vom Limes weit nach Westen verlegte Reichsgrenze gegen die Germanen und ihre Überfälle zu sichern. Auf dem „alta ripa“, dem „hohen Ufer“, entstand die Militäranlage, die nach 30 Jahren geräumt wurde. Doch die ums Kastell angesiedelte Zivilbevölkerung blieb und so entstand im Laufe der Jahrhunderte ein Dorf, das vom vorbeifließenden Rhein geprägt wurde. Altrip lag seit altersher auf dem linken Rheinufer, doch wenn um 1850 planerische Überlegungen des Ingenieurs Johann Gottfried Tulla „gegriffen“ hätten, wäre bei dessen „Lebenswerk Rheinbegradigung“ Altrip durch einen Rheinbogen-Durchstich im Westen auf die rechte Rheinseite geraten und läge heute in Baden-Württemberg. So ist der heute rund 7700 Einwohner zählende Ort die östlichste Gemeinde der Pfalz – mit dem rechten Rheinufer seit Jahrhunderten durch Kähne und Fähren verbunden.

Die Geschichtsbücher berichten, dass der kleine Ort zu einigem Wohlstand kam und von König Pippin III. 762 dem Eifelkloster Prüm geschenkt wurde. Dieses Kloster wurde für einen Altriper zum Lebensmittelpunkt: Regino, 840 in der Rheingemeinde geboren, wurde 892 Abt in Prüm, wo er bis 907 die erste Weltchronik in Deutschland schrieb.

Die unruhigen folgenden Jahrhunderte gingen an Altrip nicht spurlos vorbei – es wurde Besitz des Klosters Himmerod, des Domkapitels Speyer und der Kurpfalz und schließlich von 1797 bis 1813 sogar ein Teil Frankreichs, ehe es bis 1945 Bayern zugeteilt wurde. In dieser Zeit wurden die Altriper Rheinfischer und Backsteinmacher, Bauern und Gastronomen und am Ende „Pendler“ in die Industriestädte Ludwigshafen und Mannheim.

Mit Fußball bestritt der Altriper Helmut Schneider (1913-1984) seinen Lebensunterhalt und wird heute noch als „Meistertrainer“ 1956 und 1957 bei Borussia Dortmund verehrt. Der aus Neuhofen zu TuS Altrip gewechselte Manfred Kaltz (65) ging zum Hamburger SV – er wurde dort 581-facher Bundesligaprofi, spielte 69 Mal in der Nationalmannschaft und wurde 1980 Europameister.

Für Aufsehen sorgte auch der Fund eines Oberschenkelknochens, der soll von einem Neandertaler stammen und an die 100 000 Jahre alt sein. rs

(www.morgenweb.de | © Mannheimer Morgen, Samstag, 16.02.2019 | Autor: rs)
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