16 Kehlen voller Inbrunst

Don Kosaken Chor Serge Jaroff eröffnet Veranstaltungsreihe zum Altriper Dorfjubiläum

Mit einem ausverkauften Haus beim Gastspiel des Don Kosaken Chors Serge Jaroff ist Altrip am Samstagabend in seine Veranstaltungsserie zur 1650-Jahr-Feier der Gemeinde gestartet. Das 16-köpfige Vokalensemble unter Leitung von Daniil Zhurilov überzeugte im Reginozentrum mit Melodien, die direkt aus der tiefsten russischen Seele in das Herz des Publikums drangen.

Der Don Kosaken Chor Serge Jaroff gilt als das Original. Beim Konzert in Altrip zeigt sich einmal mehr der Wandel der Musiker von kämpferischen Gesellen hin zu feinfühlenden Künstlern. | FOTO: LENZ

Eine eindrucksvolle, in schwarze Uniformen gekleidete Truppe enterte in flottem Tempo die Bühne des Reginozentrums und nahm vor der zentral platzierten blau-gelben Altriper Fahne Aufstellung. Mit ihren schwarzen Stiefeln, den roten Zierstreifen an der Hosennaht und einem schwarzen Gürtel, von dem ein ebensolcher Lederriemen an der Seite herabhing, machten die Kosaken einen recht martialischen Eindruck. Doch kaum waren die ersten Töne des „Credo“ von Alexander Gretschinow erklungen, wandelte sich das Bild der kämpferischen Gesellen hin zu dem der feinfühlenden Künstler, die in ihrem Fach zweifelsohne zur Topliga gehören. Die Gruppe gilt als das Original unter den Don Kosaken Chören.

Urwüchsig und kraftvoll präsentierte sich dabei der Solist in eindringlichem Sprechgesang, bei dem er das Glaubensbekenntnis vortrug. Mit klangvollen Stimmen unterlegte der Chor schön orchestrierte Harmonien. Neben den Gesängen der orthodoxen Kirche gehören auch Werke der klassischen Chorliteratur und Bearbeitungen für A-Cappella-Gesang zum Repertoire der Kosakenchöre. Dabei stehen russische Komponisten an prominenter Stelle. In Altrip durfte sich das Publikum an einer Melodienfolge Pjotr Iljitsch Tschaikowskis erfreuen, großen Eindruck machte auch ein ausdrucksstarkes Arrangement des „Ave Maria“ von Bach/Gounod und die weihnachtliche Weise „Adeste Fidelis“.

Viele Arrangements stammen noch von dem weltberühmten Serge Jaroff. Er hatte im zaristischen Russland Kirchenmusik studiert. Während der russischen Revolution stand er auf der antirevolutionären Seite und musste nach deren Niederlage Russland verlassen. In der Türkei interniert, gründete Jaroff 1921 im Kriegsgefangenenlager den Don Kosaken Chor. Später feierte er mit diesem weltweit Erfolge. Jaroff starb 1985 in den USA. Der heutige Leiter des Chors, Wanja Hlibka, ist der Sohn eines Sängers aus Serge Jaroffs Chor. Er hat das Recht erworben, die Tradition weiterzuführen und die Originalarrangements zu verwenden.

Im Altriper Reginozentrum stand nun, unter Leitung des Nachwuchsdirigenten Daniil Zhurilov, die nächste Generation des Chors auf der Bühne. Gekonnt leitete Zhurilov den bravourös auftrumpfenden Chor, brauchte eigentlich nur die Töne anzugeben und einige Feinheiten auszutarieren. Aus den Reihen des Chors präsentierten sich jede Menge Solisten – strahlende Tenöre, die schwindelerregende Höhen meisterten sowie warme sonore Bässe, die in abgrundtiefe Lagen vordrangen. In großer Dynamik und zauberhaftem Klangfarbenreichtum erklang auch Liedgut der russischen Volksmusik wie „Roter Safran“, „Grünes Gras/Kalinka“ und „Schwarze Augen“. Zwei Tänzer, die in akrobatischer Manier über die Bretter fegten, brachten weiteres folkloristisches Kolorit auf die Bühne.

Irisches Ambiente in der speziellen Interpretation der Don Kosaken stellte sich dann mit einer gefühlvollen Intonation des Pop-Songs „You raise me up“ ein. Doch damit nicht genug in Sachen Vielfältigkeit. Nach mehreren Zugaben gab der Chor einen unmissverständlichen Rausschmeißer zum Besten. „Guten Abend, gute Nacht“, das Lied von Johannes Brahms, zeigte die Sänger als gefühlvolle Interpreten deutschen Liedgutes.

„Nun geht es Schlag auf Schlag“, sagte Alois Eitl, Hauptorganisator der Veranstaltungsreihe zum 1650-jährigen Bestehen Altrips. Am Samstag, 19. Januar, präsentiert der Kammerchor Altrip in der Protestantischen Kirche einen Abend mit englischer Chormusik aus fünf Jahrhunderten.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 14. Januar 2019 | Von Werner Schenk)
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