Party am Ufer der Barbaren

Rund 200 Gäste starten beim Neujahrsempfang in das Altriper Jubiläumsjahr

Seit 1650 Jahren trotzt die Gemeinde Hoch- und Niedrigwasser. Dieses besondere Jubiläum feiern die Altriper mit einem umfangreichen Festprogramm. Den Auftakt hat am Mittwoch der Neujahrsempfang im gut besuchten Reginozentrum gemacht. Die Big Band Otterstadt hat den Abend mit schwungvollen Melodien gestaltet, die Fasnachter der KG Wasserhinkle haben flotte Tanzeinlagen und den nötigen Humor beigesteuert – und die Macht übers Rathaus übernommen.

Gemeinde-Chef und Chef-Organisator: Bürgermeister Jürgen Jacob (links) dankt Alois Eitl, der sich federführend um das Jubiläum kümmert. | FOTO: LENZDas Jubiläumsprogramm mit stolzen 70 Veranstaltungen hat das ehrenamtliche Team um Hauptorganisator Alois Eitl vorbereitet. Als „Halbzeit-Dankeschön für den unbezahlbaren Einsatz“ überreichte ihm Ortsbürgermeister Jürgen Jacob einen Geschenkkorb – und zitierte den römischen Stadtpräfekten Quintus Aurelius Symmachus, der am Neujahrstag im Jahre 370 über den damals frisch gegründeten Garnisonsstützpunkt gesagt habe: „Alta Ripa. Zeuge ist dieses Ufer der Barbaren selbst, dessen Höhe ihm den Namen gab! Ewigen Bestand wirst Du haben!“ Kommentar Jacob: „Recht hatte er.“

Daneben zeigte Altrip seine internationale Strahlkraft: Die Römerklause im Reginozentrum wird seit dem 1. Januar von Griechen geführt: Andreas Vlassiodis und seiner Frau Eleni Demertzi. Der Gastronom freute sich sichtlich, war gar zu Scherzen aufgelegt: „So einen Empfang hab’ ich noch nirgends bekommen.“ Seiner Vorstellung wohnte Besuch aus Australien bei – der in Altrip aufgewachsene und nach Adelaide ausgewanderte Mathias Dengler mit seinen Töchtern Lena und Selina. Denn: „Ein echter Altriper vergisst sein Heimatdorf nicht“, sagte Jacob. In Australien herrschten gerade 40 Grad Celsius. Mit auf die Heimreise gab er der Familie eine Altriper Fahne. Die wehe inzwischen auch in Afghanistan und den USA.

Für ihre sportlichen Erfolge ehrte der Altriper Bürgermeister Fußballerin Denise Haberer und Gewichtheber Karl-Heinz Rief. Die Elfjährige behauptet sich als einziges Mädchen in der D-Jugendmannschaft des TuS Altrip und spielt in der U13 der TSG Hoffenheim. Zudem ist sie wiederholt zur Südwestauswahl berufen worden, trainiert am DFB-Stützpunkt und hat von der ehemaligen Bundestrainerin Sylvia Neid großes Talent bescheinigt bekommen. Der 60-Jährige Rief vom AC Altrip habe sich nach einer schweren Erkrankung zurück an die Spitze gekämpft. Allein im vergangenen Jahr ist er Deutscher und Südwestdeutscher Meister seiner Altersklasse bis 94 Kilo sowie Vize-Welt- und Europameister geworden.

Sich mit aller Kraft gegen die karnevalistische Streitmacht der KG Wasserhinkle stellen und sie vom Rathaus fernhalten? Das war dem Ortsbürgermeister auch in seinem letzten Amtsjahr zu anstrengend. Stattdessen überließ er den Rathausschlüssel und das – ausnahmsweise gut gefüllte – Gemeindesäckel kampf- und widerstandlos Prinzessin Lisa II. und KGW-Präsident Sven Otterstätter. Lediglich einige kleine verbale Spitzen verschoss Jacob dann doch in Richtung der „nicht mehr ganz so beeindruckenden, weil in die Jahre und zum Teil in eine neue Gewichtsklasse gekommenen“ närrischen Übermacht.

Dafür verordnete diese ihm – in Vorbereitung auf seinen nahenden Ruhestand in einigen Monaten – lockere Freizeitkleidung: Das Jackett musste einem T-Shirt in kräftigem Orange weichen, die überschaubare Haarpracht bedeckte ein rosa Glitzerhut, dazu gab es eine Sonnenbrille. In dieser amüsanten Aufmachung dürften die Altriper ihren Ortschef noch nicht erlebt haben. Und weil er brav mitspielte, durfte Jacob schließlich die riesige Neujahrsbrezel der Narren in Empfang nehmen. Obendrein boten die drei Tanzmariechen und die Jugendgarde der Altriper Fasnachter eine sehenswerte Kostprobe ihres Könnens. Die belohnte das Publikum mit viel Beifall.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 11. Januar 2019 | Von Markus Müller)