BRITISH ROCK MEETING in Altrip

Nach zwei erfolgreichen Rockfestivals, 1971 nahe Speyer und 1972 bei Germersheim, sollte im Jahr 1973 das „3. British Rock Meeting“ am 22./23. September 1973 in Altrip auf dem Gelände der Sandbahn-Rennstrecke des Motorsportclubs (MSC) Altrip stattfinden.

16 englische und amerikanische Rockbands waren fest gebucht, darunter Pink Floyd, Frank Zappa, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis, Lou Reed, Jeff Beck und Susi Quattro, um nur einige zu nennen. 30.000 Plakate hingen aus und man rechnete mit 50.000 Besuchern.

BRITISH ROCK MEETING in Altrip

 

Doch nur wenige Tage vor dem Event wurde die Veranstaltung, die zweifelsohne in die Geschichte Altrips eingegangen wäre, dann von Veranstalter Marcel Avram und seinem Partner Marek Lieberberg, den beiden Chefs der 1970 gegründeten Konzertagentur „Mama Concerts“, kurzfristig abgesagt. Aber was war der Grund?

Viele Gerüchte gab es damals in der Vorderpfalz, angefangen von der „Angst der Dorfbewohner vor den Hippies“ bis zum „Schutz einer seltenen Wildorchideenart“ waren alle möglichen (und unmöglichen) Begründungen zu hören. In Wahrheit sollten US-Soldaten nach Meinung ihrer Vorgesetzten ganz einfach keine von deutschen Veranstaltern organisierte Rock-Veranstaltungen mehr besuchen, angeblich „wegen der Drogengefahr“ und Marek Lieberberg begründete dann die Absage auch mit den Worten „Ohne unser amerikanisches Stammpublikum ist der ganze Aufwand für die Katz!“

Insider vermuteten damals jedoch, dass ein US-Unternehmen die lukrative Truppenbetreuung übernehmen wollte, machten doch die stationierten Soldaten aus den US-Kasernen durchschnittlich 50 bis 70 Prozent der Besucher von Popmusik-Konzerten im Rhein-Main-Gebiet aus. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen Veranstaltern und dem amerikanischen „Special Services Tours Office“ in Frankfurt hatte bis dahin auch stets gut funktioniert.

Ein Manager der „Special Services“ orderte jeweils bis zu 10.000 Eintrittskarten für Vorverkaufsstellen in den Kasernen, ließ Plakate aufhängen, gab Veranstaltungshinweise an die Truppe, lancierte offiziell genehmigte Werbedurchsagen an den US-Sender AFN und organisierte Busfahrten von den Kasernen zu den Konzerten - bis zum 6. September 1973, einem Donnerstag.

An diesem Tag nahm der Manager in seinem Büro das Plakat des „3. British Rock Meeting" von der Wand. Was war geschehen? Der Stabschef des 5. US-Corps hatte Weisung gegeben, dass die Teilnahme von Angehörigen der amerikanischen Armee an deutschen Rock-Konzerten künftig zu erschweren sei. Laut offizieller Pressemeldung sollten „solche Konzerte in Zukunft nicht mehr als Militärunterhaltung sanktioniert werden“.

Diese Entscheidung war gefallen, nachdem ein Ausschuss der US-Armee das am Wochenende vom 21./22. Juli von „Mama Concerts“ im Radstadion Frankfurt veranstaltete und von ca. 20.000 Musikfans (davon ca. 14.000 GIs) besuchte „2. Sommer-Rock-Festival“ (u.a. mit Black Sabbath, Sly & The Family Stone, Chuck Berry, Faces, Nazareth, Rory Gallagher) besucht und analysiert hatte.

Das Ergebnis: 40 erfasste klinische Fälle aufgrund schwerem Drogen-Missbrauchs, zudem hätten laut einem Mitglied des Ausschusses „armselig gekleidete“ Soldaten „wie eine Horde von Landstreichern“ als Anhalter Frankfurts Autobahnen unsicher gemacht. Sein Fazit: „Das Bild eines sauberen Amerika, das wir hier zu vermitteln versuchen, haben wir uns damit zerstört!“

Daraufhin wurde von US-Offiziere bei ihren Untergebenen das Gerücht gestreut, dass „Soldaten, die Rockkonzerte besuchten, mit Disziplinarmaßnahmen rechnen müssen. Und wenn das Altrip-Festival tatsächlich stattfinde, werde parallel dazu ein Manöver anberaumt.“

Kenner der Branche vermuteten damals indes hinter der Kampagne rein kommerzielle Motive. In Wirklichkeit ging es nur ums Geschäft, das US-Unternehmer ihren deutschen Konkurrenten neideten. So versprach die Armeezeitung „Stars and Stripes“ zeitgleich ihren Lesern in den Kasernen „größeres und besseres Entertainment“ durch eine US-amerikanische Reisegesellschaft, die schon seit längerem mit den Verantwortlichen verhandelte und bei der Truppenbetreuung ins Geschäft kommen wollte. Also auch schon damals das Motto: „Amerika first“.

(Quellen: DER SPIEGEL | wikipedia.org | setlist.fm)