Heiße Küsse und ein nackter Mann

Seit 40 Jahren sind die Scheffels aus Altrip auf den Straßen in der Region unterwegs – Das Taxiunternehmen ist fest in Familienhand

Ein Liebespaar im Ruftaxi, ein nackter Mann im Gebüsch – wer Taxi fährt, kann was erzählen. Familie Scheffel betreibt schon über 40 Jahre ihr Taxi-Unternehmen in Altrip. Wie alles begann, erzählen die Gründer Christa und Werner Scheffel, die auch im Rentenalter immer noch gerne fahren.

Unternehmensgründerin Christa Scheffel (Mitte) mit ihren Kindern Claudia Scheffel-Eggert und Peter Scheffel, die beide mit ins Taxigeschäft eingestiegen sind. | FOTO: GHX

Christa Scheffel ist die Senior-Chefin und Gründerin des Unternehmens. Als sie als junge Frau eine Lehre als Verkäuferin anfing, stellte sie schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, von Altrip weg und wieder heim zu kommen. Sie brauchte selbst ein Taxi. Damals, Anfang der 1970er-Jahre , gab es im Ort eine ältere Dame, die ein Mietwagengeschäft betrieb. Christa Scheffel erkannte die Marktlücke und beschloss, selbst ein Taxi zu betreiben. Doch zuvor waren einige Hürden zu nehmen: ein Gesundheitszeugnis, das große polizeiliche Führungszeugnis, eine medizinisch-psychologische Untersuchung, der Personenbeförderungsschein und der Nachweis der Ortskenntnisse. Erst wenn alle Kurse absolviert und Prüfungen bestanden sind, darf man Taxi fahren.

Christa Scheffel hatte all das geschafft und begann 1975 mit dem Taxifahren. Ihr Mann Werner arbeitete damals noch in der Versicherungsbranche. „Ruf 2904 – dann kommen wir“ war ihr Werbespruch, den sich die Gründerin überlegt hatte. „Den kennen viele Leute im Dorf heute noch“, freut sich die Erfinderin des Spruchs. Die Firma wurde schnell größer, denn der Bedarf war da. Und es gab im Rhein-Pfalz-Kreis noch kein anderes Taxi-Unternehmen. Werner Scheffel stieg mit ein, bald wurden Fahrer angeheuert. Dann folgten öffentliche Aufträge und die Scheffels betrieben ab 1986 die erste Ruftaxi-Linie in Altrip. Eigentlich müssten die beiden Gründer heute nicht mehr fahren, sie haben 2011 die Firma an ihre Kinder Claudia und Peter übergeben – aber das Taxifahren lässt sie nicht los. Beide sind fit, das wird bei Taxi-Fahrern regelmäßig geprüft.

„Ich treffe einfach gerne Leute“, sagt die Senior-Chefin. Und über die Jahre seien viele Kunden zu guten Bekannten geworden und herzliche Beziehungen entstanden. „Kennen Sie uns noch?“, habe kürzlich ein Paar gefragt, das zu Christa Scheffel ins Taxi stieg. Es war schon 30 Jahre her, dass die beiden mitgefahren waren. „In ihrem Ruftaxi haben wir uns zum ersten Mal geküsst“, verrieten die beiden ehemaligen Altriper. Damals seien sie von einer Party nach Hause gefahren. Inzwischen seien sie viele Jahre verheiratet, haben zwei Kinder und kamen zurück in ihre Heimat, um noch einmal mit dem Taxi zu fahren, in dem alles anfing.

Kuriose Geschichten gibt es natürlich auch. So wurde Christa Scheffel mal an die Blaue Adria gerufen. „Ich war pünktlich am Treffpunkt, konnte aber niemanden finden“, erzählt sie. Da hörte sie aus einem Gebüsch eine Stimme. „Hallo? Ich bin hier!“ Das war schon verwunderlich. „Entschuldigung, ich bin nackt!“, rief ein Mann aus dem Busch. Es stellte sich heraus, dass der Mann baden gewesen war und seine Kleider gestohlen worden waren. Zum Glück hatte Christa Scheffel eine Decke im Auto und konnte den Mann so zu seiner Wohnung in Frankenthal bringen.

Während Peter Scheffel schon als Kind wusste, dass er mal ins elterliche Unternehmen einsteigen möchte, war das für seine Schwester Claudia nicht so klar. Das ganze Jahr, sonn- und feiertags eingespannt sein, das wollte sie erst nicht und lernte einen anderen Beruf. Nach einer Babypause suchte sie nach einem Wiedereinstieg ins Arbeitsleben und begann stundenweise im Büro der Eltern mitzuarbeiten. Doch die Leidenschaft fürs Taxifahren wurde wohl doch vererbt: Nach und nach wurde die Arbeit mehr – und heute ist Claudia Scheffel mit Begeisterung Teil des Familienunternehmens. Sie ist nicht nur im Büro am Telefon, sondern sitzt selbst am Steuer. Ganz wichtig ist den Scheffels die gute Stimmung und die Zusammenarbeit mit dem ganzen Team der Fahrer. „Wir können uns aufeinander verlassen und helfen uns gegenseitig“, sagt die heutige Chefin. Einige gehören schon Jahrzehnte zum Team, wie etwa Andreas Hauk, der „Sonntagsfahrer“: Seit 1989 fahre er jeden Sonntag von fünf bis neun Uhr morgens und stelle den Scheffels eine Tüte Brötchen vor die Tür.

Viele Kunden nutzen das Taxi regelmäßig. Vor allem der Anteil an Krankenfahrten sei aufgrund der Lage Altrips relativ hoch. „Da macht man sich dann auch Sorgen, wenn jemand mal länger nicht mehr kommt“, sagt Claudia Scheffel. Dankbare Kunden haben auch schon Kuchen gebacken oder Pralinen geschenkt.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional Ludwigshafen Süd - 9. Mai 2018 | Von Gereon Hoffmann)