Napoleon soll hier übernachtet haben

Ältestes Haus der Gemeinde wird saniert - Im Jahr 1660 erbaut - Großes Jubiläumsfest 2010

Wenn das älteste Gebäude der Kommune im kommenden Jahr seinen 350. „Geburtstag” feiert, soll es entsprechend gut aussehen. Aus diesem Grund wird die Fassade des betagten Fachwerkhauses in der Römerstraße 1 in Altrip derzeit saniert.

„Die Schwierigkeit besteht darin, die historischen Baustoffe und die moderne Technik miteinander zu verbinden”, sagt Besitzer Eckhard Bachert. So werde Silikat- statt herkömmlicher Kunststofffarbe auf den als Putz verwendeten Kalk aufgetragen, weil nur diese mineralische Farbe angemessen mit dem Untergrund reagiere. Auf das in die Jahre gekommene Eichen- beziehungsweise Tannen- und Fichtenholz werde eine offenporige Nano-Lasur aufgetragen. „Die geht ins Holz und schützt es sozusagen von innen heraus vor der UV-Strahlung und der Witterung”, erklärt Markus Weidmann, dessen Betrieb für die Sanierung zuständig ist.

Schmuckstück: 12.000 Euro kostet die Sanierung des Hauses in der Römerstraße 1 in Altrip. FOTO: LENZ

Die aufwendigen Maßnahmen dauern sechs Wochen und kosten rund 12.000 Euro. „Diese Summe wird vom Landesamt für Denkmalpflege in Mainz und der Gemeinde bezuschusst”, sagt Bachert. Der 59-Jährige unterrichtet an der Waldorfschule in Frankenthal Biologie und Chemie und hat das Gebäude 1982 von der Kommune erworben - nur zwei Wochen vor dem geplanten Abriss. „Ein befreundeter Architekt fand, man könne etwas daraus machen”, erklärt er seine Entscheidung.

Errichtet wurde das Schmuckstück 1660 von Johann Jacob Wolfart auf Geheiß des Kurfürsten Karl Ludwig. Mit seinen vier voll ausgebauten Stockwerken sei es ein sehr aufwendiges Fachwerkhaus gewesen. „Und das selbsttragende Dach war eine Meisterleistung”, schwärmt Bachert. Über eine so reich verzierte Fassade mit fränkischem Fenstererker (drei kombinierte Fenster), vier Mann-Figuren und fünf Andreas-Kreuzen verfüge ebenfalls nicht jedes Fachwerkhaus.

In den ersten Jahrzehnten diente das Gebäude als Tabakladen und überstand als eines von wenigen Häusern den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) unversehrt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde daraus das Gasthaus „Zum Löwen”. Später befand sich die Gaststätte in den oberen Etagen, unten entstand der erste Gemischtwarenladen des Dorfes. „Es wurde im Laufe der Zeit sehr unterschiedlich genutzt, bisweilen sogar als Gefängnis, Backstube und Sitz der Gemeindeverwaltung', berichtet Bachert. Prominentester Besucher dürfte der französische Kaiser Napoleon gewesen sein, der hier auf dem Rückzug von seinem gescheiterten Russland-Feldzug übernachtet haben soll.

1839 verkauften die damaligen Besitzer, Familie Lemmert, das Anwesen an die Familie Jacob. Die durfte bis zum Ersten Weltkrieg in der Römerstraße 1 noch Bier ausschenken. Die Geschwister Jacob unterhielten bis 1957 einen Gemischtwarenladen. 1969 wechselte das Haus in den Besitz der Kommune, ehe Eckhard Bachert es 1982 kaufte. Seit 1983 ist das schmucke Kleinod auf sein Betreiben hin denkmalgeschützt. Am 28. August 2010 wird es sein 350-jähriges Bestehen feiern. „Zu diesem Anlass wird die Gemeinde ein Fest sowie einen Tag der offenen Tür organisieren. Ich biete an diesem Tag Führungen durchs Haus an”, verspricht Bachert. Außerdem werde er bis dahin mit Bürgermeister Jürgen Jacob eine neue Hauschronik auflegen, die die abwechslungsreiche Geschichte der Römerstraße 1 ausführlich schildern soll. (mamü)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. Juli 2009)