In den Rhein statt auf die Fähre

Eigentlich wollte sie mit der Fähre von Mannheim nach Altrip. Stattdessen ist die 54-Jährige am Donnerstag in den Rhein gefahren. Nach Polizeiangaben hat sie im Morgennebel zu spät gesehen, dass kein Schiff an der Rampe lag. Ein wartender Altriper hat sie aus ihrem versinkenden Auto gerettet.

Eigentlich sind die Anlegestellen in Altrip und Mannheim deutlich sicherer als die vieler anderer Rheinfähren, sagt Patrick Fassott von der Altriper Gemeindeverwaltung. Gemeinsam mit Bürgermeister Jürgen Jacob führt er die Geschäfte der Fährgesellschaft. Und listet nun auf: die besonders solide gebauten Rampen, die Ausschilderung – und die Beleuchtung. Doch ausgerechnet die Lampen sind der Polizei zufolge am Donnerstag einer 54-jährigen Autofahrerin zum Verhängnis geworden.

Als sie bei Dunkelheit und Nebel gegen 6.30 Uhr übersetzen will, sieht sie den Angaben der Beamten zufolge die Lichter am Anleger – und hält sie für die Beleuchtung der Fähre. Die allerdings liegt gerade gar nicht vor Anker. Als die Frau ihren Irrtum erkennt, ist es schon zu spät: Ihr Wagen stürzt ins Wasser. Glück im Unglück hat sie in Gestalt eines 27-jährigen Altripers, der gerade von der Nachtschicht kommt und mit seinem Roller auf die Fähre wartet. Der junge Mann springt hinterher und zieht die 54-Jährige aus ihrem in den Rheinfluten versinkenden Suzuki.

Den Wagen wird später die Feuerwehr bergen. Einstweilen muss die herannahende Fähre wieder abdrehen und ans Altriper Ufer zurückkehren. Den Fahrern der in drei Reihen auf dem Schiff stehenden Autos bleibt nur, den Rückwärtsgang einzulegen. Was keine ganz einfache Sache ist: Sie müssen von der Fähre herunter und anschließend um die Kurve herum auf die Uferböschung fahren. Bis der reguläre Pendelbetrieb vom einen zum anderen Ufer wieder aufgenommen wird, dauert es mehr als zwei Stunden.

Exakt um 8.45 Uhr quert die Fähre zum ersten Mal wieder den Rhein, sagt Fassott. Er ist bei der ersten Tour von Mannheim nach Altrip selbst mit an Bord. Denn er wohnt auf der badischen Seite und kommt selbst täglich übers Wasser zur Arbeit. Weil er rechtzeitig informiert worden ist, hätte er auch außenrum fahren können. Doch er will lieber warten – und sich gleich mit dem Einsatzleiter der Rettungskräfte über den Unfall austauschen. „Wir nehmen es sehr ernst, wenn so etwas passiert“, sagt Fassott. „Und jeder, der dort im Wasser landet, ist einer zu viel.“

Also, so verspricht Fassott, würden sich die Verantwortlichen der Fährgesellschaft – Träger sind die Stadt Mannheim mit 50 Prozent, der Rhein-Pfalz-Kreis mit 30 Prozent sowie die Gemeinde Altrip mit 20 Prozent – darüber Gedanken machen, wie Gefahrenstellen weiter entschärft werden können. Doch er lässt auch erkennen, dass ihm da auf Anhieb nicht mehr viel einfällt. Schließlich seien die Anlegestellen deutlich sicherer als die vieler anderer Rheinfähren.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. November 2013 | Von Wolfgang Schneider und Christoph Hämmelmann)