Olympischen Geist spüren, wahres China sehen

ALTRIP/PEKING: Die 20-jährige Lisa Schleicher ist seit heute für zwei Wochen mit dem Landessportbund in Peking

Olympia. Trotz allen Kommerzes und aller Debatten im Vorfeld - bei diesem Wort bekommen viele Sportler noch immer leuchtende Augen. Lisa Schleicher ist eine erfolgreiche Sportlerin. 2006 gewann sie mit der deutschen U18-Nationalmannschaft in Chile den Weltmeistertitel im Faustball. Seit heute ist die 20-jährige Altriperin mit dem Landessportbund in Peking. Mit rund 50 weiteren jungen Athleten aus Rheinland-Pfalz bezieht sie heute Nachmittag das Olympia-Lager der Sportjugend im HongFu-Park.

Mit zwei Koffern nach Peking: Lisa Schleicher aus Altrip will vor allem wissen, wie die Menschen in China leben. | FOTO: LENZLisa Schleicher ist eine entspannte junge Dame. Und sie ist offen. Offen für Neues, offen für Fremdes. Sportlich hat sie den Sprung vom Bundesligisten VfB Altrip in die Schweizer Nationalliga A zum STV Wigoltingen gewagt. Der für die Altriper schmerzhafte Schritt lag für die 20-jährige Junioren-Nationalspielerin nahe. Nach dem Abitur im vergangenen Jahr begann sie im idyllischen Konstanz ihr Biologie-Studium. Von Konstanz in den Schweizer Kanton Thurgau ist es nur ein Katzensprung.

Zwischen Hochschulreife und Studium tat Schleicher ebenfalls etwas für ihre persönliche Entwicklung. Sie reiste für einige Wochen kreuz und quer durch Indien. „Das war ein Hammer. Durch solche Erfahrungen bekommt man ein ganz anderes Weltbild”, sagt die sympathische Sportlerin. Sie lernte die Armut dieses Landes kennen, sah Menschen, die nachts auf der Straße schliefen. „Da relativieren sich viele Probleme, über die in Deutschland geklagt wird”, betont sie.

Nun ist die Altriperin neugierig auf China. Neugierig auf den Sport, aber auch und vor allem neugierig auf die Menschen. „Ich lasse mich überraschen. Gerne würde ich natürlich ein authentisches China erleben. Aber das werde ich wohl nicht sehen”, befürchtet sie. Peking ist während der Olympischen Spiele im Ausnahmezustand. Was die internationalen Gäste nicht sehen sollen, werden sie vermutlich auch nicht sehen. Sehen sollen sie ein schönes, ein starkes China. Lisa Schleicher versucht sich von all den Diskussionen im Vorfeld der Olympiade nicht beeinflussen zu lassen. Sie will sich möglichst ihr eigenes Bild von dem Land machen.

Sehenswürdigkeiten und Sport

Heute um 11.15 Uhr Ortszeit ist die 20-Jährige in Peking gelandet. Zu spät zwar, um die spektakuläre Eröffnungsfeier gestern Abend im „Vogelnest” miterlebt zu haben, aber früh genug, um zwei Wochen lang in die Fremde am anderen Ende der Welt einzutauchen. Das vom Mainzer Landessportbund angekündigte Programm verspricht einiges. In der ersten Woche klappern die rheinland-pfälzischen Sportler Sehenswürdigkeiten wie die chinesische Mauer, die „verbotene Stadt” oder den „Platz des himmlischen Friedens” ab. In der zweiten Woche stehen die olympischen Wettkämpfe im Mittelpunkt. „Ich freue mich besonders auf Leichtathletik, Volleyball und Triathlon. Beim Handball sehen wir leider nur die Frauen. Ich hätte lieber den Männern zugeguckt, die spielen einfach athletischer”, sagt die Faustballerin.

Park als Begegnungsstätte

Untergebracht ist Schleicher im acht Quadratkilometer großen HongFu-Park, etwa zehn Kilometer vom olympischen Dorf entfernt. Eine üppige Vegetation, Gebäude im altchinesischen Stil mit Pagodendächern und Kanälen, eine Fülle von Kongresshotels mit 3500 Zimmern - der HongFu-Park wird wohl zu einer der wichtigsten Begegnungsstätten während der Olympischen Spiele werden. Und Lisa Schleicher aus Altrip ist mittendrin.

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 9. August 2008 | Von Oliver Seibel)