Alles andere als ein verschlafenes Dorf

Partnergemeinde Petit Rederching liegt in den Vogesen - „Zufallsbekanntschaft”

Wie sehen die Partnergemeinden unserer Gemeinden aus? Wie leben dort die Menschen? In der neuen Serie „Grenzenlos” werden die Partner vorgestellt. Im zweiten Teil unserer Serie ist Petit Rederching in Frankreich an der Reihe, das mit Altrip vor 25 Jahren erste Kontakte geknüpft hat.

Monument: In Stein gemeißelt wurde 2001 die Partnerschaft zwischen Altrip und Petit Rederching. Der damalige Bürgermeister Willi Kotter (Mitte) hatte zur Feier auf den Platz vor der Maxschule eingeladen. | FOTO: LENZ

Altrip war seit 1979 schon mit einer „jumelage” versorgt - passenderweise mit einem Ort gleichen Namens, nämlich Altrippe in Lothringen. Doch im Lauf der Jahre ist die Beziehung eingeschlafen. Die Partnerschaft mit Petit Rederching, ebenfalls in Lothringen gelegen, wurde nicht von „oben” verordnet, sondern der Zufall spielte bei dieser Freundschaft eine entscheidende Rolle - wie so oft im Leben.

Rue d‘Altrip: In Petit Rederching wurde eine Straße zu Ehren ihrer Partnergemeinde in Deutschland benannt. | FOTO: WLFEine Gruppe von Radfahrern aus Altrip wollte 1981 eigentlich Altrippe besuchen, legte aber unterwegs in Lothringen eine Rast ein - in dem malerisch auf einem Höhenzug gelegenen Petit Rederching im Bitcher Land in den Vogesen. Dort wurden die Altriper überaus herzlich aufgenommen, wie sich Partnerschaftsbeauftragter Jürgen Jugenheimer erinnert. Der Bürgermeister von Petit Rederching nahm sich damals persönlich der Reisegruppe an. Ab 1983 wurde die Völkerverständigung im „kleinen Grenzverkehr” gepflegt und 1991 als Partnerschaft besiegelt.

Wer sich von Bitche aus Petit Rederching nähert, würde die Ansammlung von Häusern auf der Anhöhe als kleines, verschlafenes Dorf leicht abschätzig einstufen. „Das täuscht”, widerspricht Jugenheimer diesem oberflächlichen Eindruck. Petit Rederching habe zwar tatsächlich nur knapp 2000 Einwohner, aber dafür eine sehr gute Infrastruktur. Dazu gehören beispielsweise ein großes Gemeindezentrum, das für die Kultur und für den Sport genutzt werden kann, eine gut ausgebaute Kindertagesstätte mit einem weit reichenden Betreuungsangebot und eine gut ausgestattete Bibliothek. Mittlerweile wurde auch ein Neubaugebiet erschlossen.

Petit Redérching in Frankreich | GRAFIK: DOSTALNeben Kleingewerbe und Handwerksbetrieben ist in dem lothringischen Dorf sogar eine große Kerzenfabrik angesiedelt, die ihre Produkte in viele europäische Länder exportiert. Da Petit Rederching nicht weit der deutschen Grenze liegt, fahren relativ viele Einwohner zur Arbeit ins benachbarte deutsche Ausland. „In Zweibrücken oder im Saarland ist man schnell von hier aus, ein großer Teil arbeitet dort”, berichtet der Partnerschaftsbeauftragte.

Doch nicht alle haben Arbeit. So leidet der Ort auch unter Arbeitslosigkeit. Sinkende Einkommen und mangelnde Finanzkraft der Bürger, aber auch der Kommune sei vermutlich der Hauptgrund, warum nach Jugenheimers Einschätzung das Zeltlager zwischen Altrip und Petit Rederching nicht mehr stattfindet. „Petit Rederching hat sich eine Auszeit genommen, wir hoffen, dass es bald wieder läuft”, so Jugenheimer. Das Zeltlager für Kinder und Jugendliche, das im Wechsel in den beiden Gemeinden stattfand, war ein fester Bestandteil der „jumelage” gewesen. Zurzeit würden die Beziehungen leider auf „Sparflamme” laufen, lediglich der Verein der Naturfreunde in Altrip unternimmt einmal im Jahr eine Wanderung mit den Franzosen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 7. Mai 2008 | Von Mechthild Möbus)