Geburten zu Hause sind Seltenheit geworden

Hebamme Marianne Orth betreut Mütter besonders vor und nach der Entbindung - Historischer Geburtentiefstand

Mit 16 Geburten sind in Altrip im vergangenen Jahr so wenige Kinder auf die Welt gekommen wie nie zuvor. Trotzdem arbeitet dort noch eine freiberufliche Hebamme.

Immer seltener wird der Eintrag „Altrip” als Geburtsort im Personalausweis. Seit Hausgeburten zur Seltenheit geworden sind, kommen immer mehr Kinder in den umliegenden Kliniken auf die Welt. Im Jahre 1972 wurde erstmals keine Geburt in Altrip registriert, eine Entwicklung, die bis heute nahezu ohne Ausnahme angehalten hat. Doch nicht nur die Zahl der Hausgeburten ist rückläufig.

1908, so weist es die Kirchenstatistik aus, wurden 93 Kinder getauft. Unter den lediglich 33 Todesfällen jenes Jahres befanden sich neun Kinder unter einem Jahr. Altrip zählte damals rund 2000 Einwohner. Im vergangenen Jahr aber gab es in der Rheingemeinde mit nur noch 16 Geburten einen historischen Geburtentiefstand und das bei etwa 8300 Einwohnern.

Auch wenn die Altriper Statistik für das vergangene Jahr stolze 69 Trauungen aufweist, so weist der Standesbeamte Thomas Hauser daraufhin, dass sich darunter 40 auswärtige Paare befanden, die sich zumeist in der „Außenstelle des Standesamtes” im Hotel Darstein das Ja-Wort gaben. Insoweit ist zumindest von der Anzahl der Trauungen ausgehend in nächster Zeit keine große Trendwende bei den Geburten zu erwarten.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Altrip stets zwei Haushebammen hatte. Als 1969 Johanna Köhler nach 32-jähriger Hebammentätigkeit sich aufs Altenteil zurückzog, wusste sie zu berichten, dass zu Beginn ihrer Arbeit auch Susanne Schneider „Wehmutter” im Dorf war. Und die „Bruckerten”, wie jene Hebamme nach ihrem Mädchenname gerufen wurde, verhalf von 1907 bis 1948 über 2000 Kinder auf die Welt.

Als vor knapp 50 Jahren Andreas Walter als zweiter Hausarzt nach Altrip kam, war der noch „Praktischer Arzt und Geburtshelfer”. Sein Sohn, Bernd Walter (64), hingegen hatte in seiner jahrzehntelangen Praxistätigkeit nur ein einziges Mal das Glück, sich als Geburtshelfer zu betätigen, unterstützt von der Hebamme Marianne Orth. Und das liegt nun auch schon wieder zehn Jahre zurück.

Marianne Orth (57) arbeitet schon seit 1972 als Klinik-Hebamme, zunächst ganztags und seit 1980, nachdem sie selbst eine Tochter zur Welt gebracht hatte, in Teilzeit. Vier Jahre später bekam sie noch einen Sohn. 1986 fasste sie dann den Entschluss, in Altrip als freiberufliche Hebamme tätig zu werden. Im Rahmen der Geburtsvorbereitung vermittelt sie etwa spezielle Atemtechniken, führt bei Schmerzen oder starker Übelkeit Hausbesuche durch und steht natürlich auch nach der Geburt den Wöchnerinnen zur Verfügung. Dabei geht es um Ernährungsberatung und Anleitung zur Pflege des Säuglings, über Beratung in Impfangelegenheiten und Kindererziehung bis zur Rückbildungsgymnastik.

Die von ihr betreuten Frauen wissen es zu schätzen, dass sie für diese Dienste nicht nach „auswärts” müssen. So findet die Gymnastik unter ihrer Anleitung in den Räumen der Krankengymnastik Schade/Berger statt. Hausbesuche sind immer möglich, ob das Kind nun ambulant oder stationär in der Klinik entbunden wurde. Zur Geburtsvorbereitung zahlen die Krankenkassen bis zu sieben Doppel- oder 14 Einzelstunden und zehn Mal Rückbildungsgymnastik, wobei die Hebamme abrechnungsberechtigt ist. Immer mehr gefragt werden übrigens Stillkurse.

Und auch die Erkenntnis vermittelt sie: Kinder dürfen ruhig mehrmals am Tag weinen, ohne dass sie deshalb schon Heul- oder Schreikinder sind. Marianne Orth hat sich mit 19 Jahren zur zweijährigen Hebammenausbildung entschlossen und bis heute ihren Entschluss nicht bereut. Seit 1975 ist sie übrigens mit dem heutigen Feuerwehrkommandanten Klaus Orth verheiratet und in Altrip weiß man, wenn es brennt oder „pressiert”, wohin man sich wenden muss.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 2. April 2008 | Von Wolfgang Schneider)