Ein Essen im Hause Luther

500 Jahre Reformation: Ralf Kissel aus Altrip schreibt Stück zum Reformationsjubiläum – Aufführung am 25. August im Hof des Römerhauses

Geschafft. Sein Werk ist vollendet: Altrips Erster Beigeordneter Ralf Kissel hat anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Reformation ein Stück geschrieben, das den Reformator Martin Luther lebendig werden lässt. Die Premiere findet am Freitag, 25. August, im Römerhaus statt.

Jetzt geht es ans Text lernen: Ralf Kissel spielt in seinem Stück den Reformator. | FOTO: MÖBUS

Ein entscheidender Tipp kam von Kirchenrat Wolfgang Schumacher: „Ich habe da etwas für Sie. Das können Sie verwenden.“ Ein Theaterstück über Martin Luther, das vor rund zehn Jahren in der Westpfalz aufgeführt wurde, hat Ralf Kissel zu seinem Bühnenwerk inspiriert. Nicht nur das Reformationsjubiläum und der Wunsch, „etwas Eigenes auf die Beine zu stellen“ haben den 72-jährigen Altriper bewogen, sich eine eigene Geschichte auszudenken und aufzuschreiben. Bald war die Grundsituation und gleichzeitig der Titel geboren: Ein Abend im Haus von Martin Luther und seiner Frau Katharina in Wittenberg, das das Ehepaar nach seiner Heirat 1525 bezogen hat, und ein gemeinsames Essen mit Freunden und Studenten, an die im Hause Luthers Zimmer vermietet wurden.

Als Kissel, der früher an verschiedenen Theaterbühnen als Schauspieler und Regisseur tätig war, seine Idee, ein eigenes Luther-Stück zu schreiben und aufzuführen, dem Altriper Presbyterium vorstellte, waren die Mitglieder begeistert und sagten ihre Mithilfe zu. Im Juli vergangenen Jahres legte der 72-Jährige los. „Ich habe Literatur gesammelt, Biografien und einen Großteil der Tischreden gelesen.“ Aus diesen Werken stellte er Originalzitate von Luther zusammen und entwickelte Szenen mit Figuren und Dialoge mit den passenden Zitaten. Sein Stück verlegte er ins Jahr 1542. Als Vorlage diente Kissel Luthers Leben selbst.

Im Haus in Wittenberg gingen bekannte Zeitgenossen wie Philipp Melanchthon und andere historische Personen ein und aus, die zusammen mit zwei Studenten in dem Stück „Ein Abend im Hause Luther“ Tischgäste sein werden. „Sie werden von Presbytern und der evangelischen Jugend gespielt“, berichtet Kissel. Die Rolle der Katharina von Bora wird die Altriperin Esther Lelle übernehmen, die bereits vor zwei Jahren in einem Mundartstück in Altrip auf der Bühne stand. Zwei Frauen aus dem Presbyterium werden sich ums Essen kümmern, das den hohen Gästen aufgetischt wird. Damit das Stück auch die passende Kulisse hat, wird es im Hof des Römerhauses in der Römerstraße aufgeführt.

Die Gesprächsthemen drehen sich – wie heute auch – ums Essen, ums Wetter, um Politik, das Familienleben Luthers mit seinem reichen Kindersegen sowie um betrunkene Studenten. Die Besucher erwarten Szenen mit humorvollen Dialogen, deftigen Sprüchen sowie tiefsinnigen, klugen und nachdenklichen stimmenden Einsichten wie „Musik verjagt den Geist der Traurigkeit“. Wenn Luther zum Beispiel auf die Frage, ob er jungen Leuten ein Theologiestudium empfehlen kann, antwortet: „In Kürze wird es an Pfarrern und Predigern so sehr mangeln, dass man die jetzigen aus der Erde wieder herauskratzen würde, wenn man sie haben könnte“, dann wirke der Reformator doch sehr zeitnah, findet Kissel.

Luther habe kein Blatt vor den Mund genommen, oft Missstände angeprangert und die Finger in die Wunde gelegt. Das bringen die Tischreden zu Tage. Mit Gespür für Theateratmosphäre lässt Kissel die Szenen mit Einschüben zum zeitgeschichtlichen Rahmen, die ein Sprecher übernimmt, abwechseln. Einen weiteren Monolog hat der Autor für Katharina von Bora vorgesehen, die sich beklagt, dass sie im Haushalt freie Hand hat, aber bei den Abendeinladungen zu schweigen hat, wo sie doch den Herren einiges zu sagen hätte.

Mehr als 6000 Zitate sind von Luther überliefert, berichtet Ralf Kissel. Die Aphorismen zu finden und mit der Handlung zu verknüpfen, sei eine „Wahnsinnsarbeit“ gewesen. Er selbst übernimmt die Hauptrolle des Reformators. Deshalb kommt auf ihn nun bis zum Sommer noch einmal viel Arbeit zu. Erst die Leseproben, dann werden ab Mai sie Szenen einstudiert. „Es ist eine Menge Text zu lernen.“

TERMIN
„Ein Abend im Hause Luther“, ein Szenarium in fünf Bildern, eingerichtet und in Szene gesetzt von Ralf Kissel, musikalische Umrahmung „Duo InTon“. Veranstalter: Protestantische Kirchengemeinde und Kulturforum Altrip, Freitag, 25. August, 19.30 Uhr, Altrip, Römerhaus, Römerstraße 1. Eintritt frei, Spenden sind erwünscht.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 3. Mai 2017 | Von Mechthild Möbus)