Die Römerinnen lächeln, der Auktionator brüllt

Carsten Piatek hat bei Karpfenversteigerung besseres Ende für sich - Leckerbissen für über 80-Jährige

Die Karpfenversteigerung war einer der Höhepunkte des Altriper Fischerfests am Sonntag. Gestern Abend wurden die Fische nach altem Brauch von den über 80-jährigen Männern der Gemeinde verspeist.

Mit offenem Mund nach oben hängen sie an der Stange: Fünf schuppige, glitschige Karpfen. Insgesamt 27 Kilo Fisch, vom Altriper Sportanglerverein in heimischen Gewässern gefangen. Für jeden sichtbar ausgestellt auf der Bühne des Altriper Fischerfests, bereit zur traditionellen Versteigerung. Nur wenige Meter rechts neben den Karpfen eröffnet Organisator Jürgen Jugenheimer die Auktion. Markus Hofacker stürzt sich mit dem Mikrofon in der Hand zwischen die Reihen der Bierbänke. Um ihn herum fünf Mädchen im Römerkostüm, die Tunika über der Schulter und leere, gläserne Bierkrüge in der Hand. Leer bleiben sie nicht lange.

„Ein Euro”, ruft Hofacker ins Mikrofon und das Geldstück klingelt im Glas. Doch der Preis wird nicht immer weiter in die Höhe getrieben: Bei der Karpfenversteigerung kann in einer bestimmten Zeit jeder so viel Geld geben, wie er möchte. Fischbesitzer wird derjenige, der zuletzt seinen Betrag ins Glas wirft, egal ob das ein Euro oder 50 waren. Und wann die Zeit um ist, das weiß nur Jugenheimer, der ein wachsames Auge auf die Fische hat. „Mit diesem System hat jeder die Möglichkeit mitzumachen, auch mit kleinen Einsätzen. So kommt mehr Geld zusammen”, sagt er. Auch Kinder haben schon gewonnen: Der Erlös der Versteigerung kommt den Altriper Kindergärten zugute.

Nach zehn Minuten auf dem schattigen Platz im Waldpark sind die Bierkrüge schon gut gefüllt mit Scheinen und Münzen. Aber die Gemeinderäte Hofacker und Ralf Kissel sowie der Feuerwehrleiter Klaus Orth, die heute die Auktionsgelder eintreiben, geben nicht auf. Einer nach dem anderen sagen sie Beträge und Bieter durch. „Die letzten Minuten”, brüllt Jürgen Jugenheimer von der Bühne.

Die Römerinnen, Mädchen aus Altrip, die beim gesamten Fischerfest helfen, lächeln weiter und schwenken ihre Krüger. „Da hinten, der Carsten”, ruft der Organisator ihnen zu und zeigt aufgeregt an das andere Ende des Festgeländes. Carsten Piatek wirft fünf Euro ins Glas. „Aus, aus, aus.” Jugenheimer beendet nach 18 Minuten die Auktion. Piatek von der Karnevalsgesellschaft „Die Wasserhinkle” ist der Karpfengewinner. Doch lange behalten darf er die fünf Fische nicht: Er gewinnt die Tiere nur symbolisch, denn am Montagabend werden sie von den über 80-jährigen Männern der Gemeinde verspeist.

Den Hintergrund dieser Tradition kennt Bürgermeister Jürgen Jakob: „Es ist zum Gedenken an die alten Fischerpioniere, die die Gebräuche der Fischerzunft von alters her überliefern.” Das steht auf einer Urkunde, die schon immer in seinem Büro hängt. Im angeblich ältesten Fischerdorf am Rhein symbolisieren die über 80-Jährigen die Fischerpioniere. Als der Sportanglerverein Altrip die Organisation des Fests in den 1950er Jahren an die Gemeinde übergab, beschlossen die Angler, in Zukunft Karpfen, das traditionelle Symbol von Altrip, zu fangen, die dann versteigert werden, um so die Verbindung zum Fischerfest zu halten.

Piatek muss seine Fische gleich wieder abgeben. „Da bin ich ganz froh, die riechen ja streng.” Ein Trost: Obwohl er noch deutlich unter 80 Jahre alt ist, darf er beim Essen dabei sein.

Aufgereiht mit dem Kopf nach oben: Die Hauptdarsteller werden auf die Bühne gebracht. | FOTO: LENZ

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 8. Juli 2008 | Von Sina Müller)