Die amtliche Schreibweise

Seit der bedeutendste lateinische Redner seiner Zeit, der Senator Quintus Aurelius Symmachus, der von Zeitgenossen gerne mit Cicero verglichen wurde, in einem Lobgedicht auf Kaiser Valentinian I. im Jahre 369 das heutige Altrip als das spätantike „Alta Ripa” erwähnte, hat der Ort viele Schreibweisen seines Namens erlebt.

Durch Lautverschiebungen, Einfluss fremder Völkerschaften, falsche Übertragung, verloren gegangene Geschichtskenntnisse sowie Schreibweisen nach dem Gehör, erfuhr das einstige Alta Ripa im Laufe seiner Geschichte die stolze Zahl von rund 30 verschiedenen Ortsbezeichnungen. Schon im 7. Jahrhundert verschwand bei der ersten Silbe das „a” und trotz der vielen Schreibweisen, etwa Altrepio, Altrüppe, Altdruphe, Altripf, Altryphe und Altrippe, veränderte sich stets nur der schwach betonte zweite Wortteil. Seit dem 16. Jahrhundert, steht die Rheingemeinde stets in Urkunden und im Schriftwechsel mit „Altripp” oder „Altrip”.

1204, als die Rheingönheimer Kirche von der Altriper Mutterkirche getrennt wurde, lesen wir erstmals „Altripp” und 1262, als Pfalzgraf Ludwig II. dem Kloster Himmerod das „passagium” (Fähre) überlässt, steht neben Altrupe erstmals die heutige Schreibform „Altrip” in den kurfürstlichen Aufzeichnungen. Die wenigen Schriftkundigen in früherer Zeit nahmen es mit den Ortsbezeichnungen auch nicht immer so genau. So konnte es schon mal vorkommen, dass in einem einzigen Schriftstück der Ort gar drei verschiedene Schreibweisen standen. Jahrhunderte lang kannten die Dorfbewohner nicht mehr ihre römischen Wurzeln und der Ortsname wurde daher immer wieder volkstümlich umgedeutet. Doch daneben gab es auch die „Kanzleischreibweise”, insbesondere in den Klosterstuben, denn das Dorf gehörte rund 750 Jahre zu den Eifelklöstern Prüm und Himmerode.

1896 wurde plötzlich im Altriper Rathaus ein „P” aus dem Ortssiegel und dem Posteingangsstempel entfernt. Doch noch 1904 stand im amtlichen Ortschaftenverzeichnis „Altripp”, und erst die holde Obrigkeit in München hat - nach einem entsprechenden Bericht, versteht sich - am 21. Juni 1908 „im Einverständnis mit den Königlichen Staatsministerien der Justiz, des Inneren, für Kirchen und Schulangelegenheiten, der Finanzen und für Verkehrsangelegenheiten” als amtliche Schreibweise „Altrip” festgestellt.

Immer wieder wird die Frage gestellt: Wieso kann sich ein Ort „hohes Ufer” nennen, wo er doch ausschließlich im Tiefgestade liegt? Zum römischen „Waffenplatz Alta Ripa”, der im Rahmen einer Art Vorwärtsstrategie für Feldzüge ins Alemannenland konzipiert wurde, gehörte das linksrheinische trapezförmige Wasserkastell sowie der Brückenburgus und der Ländeburgus jenseits des Rheins. Als nach einem missglückten Feldzug nach Osten erkennbar wurde, dass der Rhein wohl für unabsehbare Zeit die Grenze des römischen Einflussbereiches sein würde, blieb vom Waffenplatz Alta Ripa einzig die linksrheinische Befestigungsanlage zurück, die zwar nicht auf einem Hochgestade oder einer hohen Sanddüne lag, aber den Namen einstiger Größe weiter trug.

Altrip kommt vom lateinischen „Alta Ripa” und in der Notitia Dignitatum, dem römischen Staatshandbuch, wurde nur noch ein weiterer Ort gleichen Namens und ebenfalls mit einem Kastellbau aufgeführt und zwar in Pannonien (Ungarn) an der Donau. Heute ist dies die Stadt Tolna, die allerdings nur noch an einem toten Arm des Stroms liegt. Das kleine Dorf Altrippe in Lothringen geht ebenfalls auf eine römische Gründung zurück und liegt an einem kleinen Bachlauf.

Gemeinsamkeiten bezüglich der Lage gibt es auch mit Hannover, das sich am „hohen Ufer” der Leine befindet und das berühmte Ensemble „Musica Alta Ripa” beherbergt sowie mit dem französischen Hauterive. In Hauterive im Schweizer Kanton Neuchatel, das ein einzigartiges Archäologisches Museum mit 2500 Quadratmetern und einen dazugehörenden Entdeckungspark mit 300.000 Quadratmetern besitzt, nennen sich die Einwohner „Altaripiens”.

Und in allen Beneluxländern ist bekannt, dass seit über 25 Jahren „Alta Ripa II” im belgischen Ort Out-Turnhout ein gastronomischer Betrieb der Spitzenklasse zu finden ist. Das belgische „Alta Ripa II” ist der Name eines imposanten Schlosshofes, der teilweise im 17. Jahrhundert erbaut worden ist und in gepflegten Gärten und Terrassen einer reich bewaldeten Domäne von fünf Hektar liegt und wo Mehrzwecksäle mit zusammen 4000 Quadratmeter in den antik eingerichteten Räumen bis zu 1500 Personen aufnehmen können. „Alta Ripa” steht also auch heute noch vereinzelt für Größe. Das einst antike „Alta Ripa” am Rhein schreibt sich nun schon seit 100 Jahren Altrip - und das ist amtlich!

(Wolfgang Schneider - 2008)
(Wolfgang Schneider - 2008)