Ein Denkmal für frühere Ziegelei

Trockenschuppen wird nachgebaut

Altrips Vergangenheit kommt zurück. Die frühere Ziegelei erhält jetzt ein Denkmal. Eine Nachbildung eines ehemaligen Trockenschuppens wird zurzeit in verkleinerter Form am Ortseingang aufgebaut.

Die Idee dazu hatten Bürgermeister Jürgen Jacob (FWG) und Bauamtsleiter Lutz Pfeuffer. Das Fachwerkhaus mit einer Grundfläche von etwa drei mal zwei Metern wurde von Auszubildenden des Zimmerei- und Betonbauer-Handwerks am Ausbildungszentrum in Mannheim gefertigt. „Traditionell überwiegend in Handarbeit”, berichtet Ausbilder Stefan Zink, der mit sieben Azubis am Dienstag und Mittwoch in der Rheingönheimer Straße in Höhe des Pennymarktes das Modell aufgebaut hat. Unterstützt wurde der Trupp vom Bauhof Altrip.

Echte Handarbeit: Rifat Özkan, Sascha Pfirmann, Stefan Zink, Willi Fassott und Marco Roth (von links) bauen am Altriper Ortseingang einen ehemaligen Trockenschuppen nach. | FOTO: LENZDer Trockenschuppen im Fachwerkstil soll möglicherweise noch Klinker erhalten. Die Vorderseite bleibt offen, hier wird ein Gleis in den Innenraum führen, auf dem eine ehemalige Lore aus der Ziegelei stehen wird. Die offizielle Eröffnung ist laut Jacob für Samstag, 31. Mai, geplant. Der Heimat- und Geschichtsverein arbeitet zurzeit noch Informationstafeln für das Ausstellungsstück aus. Der Standort des Modells markiert laut Bürgermeister ungefähr auch den Platz, an dem der Firmensitz, die Villa Baumann, gestanden hat.

Die Ziegelei hat das Gebiet von der Rheingönheimer Straße aus bis zur heutigen Ziegeleistraße umfasst. Der Betrieb wurde in den 60er Jahren eingestellt, abgerissen wurden die restlichen Gebäude 1983. Heute steht dort ein Neubaugebiet.

Bisher erinnerte an das Altriper „Dampfziegelei-Zeitalter” mit vier Backsteinfabriken, den Ringöfen und den entsprechenden Fabrikschloten, die zum Teil höher als der Altriper Wasserturm waren, nur ein Schildchen an einem alten Torpfosten außerhalb des bebauten Ortsgebietes. Dabei arbeitete vor 100 Jahren fast von jeder Familie mindestens eine Person in den „Backsteinen”: In der Blütezeit waren bis zu 400 Menschen in den Ziegeleien und den angeschlossenen landwirtschaftlichen Gütern beschäftigt. Rund 30 Kilometer Industriegleise hatten die Ziegeleien Baumann, Marx, Hook und des Freiherrn von Dungern in der Gemarkung verlegen lassen.

Zuerst mit Menschenkraft, dann mit Ochsen und Pferden und vor dem Ersten Weltkrieg alle mit Dampflokomotiven gezogen, gehörten die Kipploren zum Altriper Erscheinungsbild. Allein die Firma Baumann besaß über 200 Loren und schaffte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum Ziehen auch noch zwei Dieselloks an. Nun wird in Altrip an einer bevorzugten Stelle an das vor fast einem halben Jahrhundert zu Ende gegangene Industriezeitalter mit dem Aufstellen einer überdachten Kipplore erinnert. (mmö/wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 24. April 2008)