Altrip sehen und sterben

Die „Blaue Adria” soll(te) die Sehnsucht der Deutschen nach Strand und Sonne stillen.

Was noch vor rund 60 Jahren eine Wildnis mit verlassenen Baggerseen war, präsentiert sich heute als großflächiges Naherholungsgebiet: die „Blaue Adria” auf der Altriper Halbinsel südlich von Ludwigshafen. Der Name ist Ausdruck der Sehnsucht vieler Deutscher in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts - nach Sonne, sauberen Stränden und klarem Wasser. „Italien sehen und sterben”, hieß es damals.

INFO: Die italienische Adria stand Pate für das Altriper Naherholungsgebiet.Doch nicht alle, die vom Fernweh ergriffen waren, konnten am großen Teutonenzug nach „Bella Italia” und an die wahre Adria teilnehmen. Ein Heidelberger Zahnarzt fand in jener Zeit Gefallen an den Baggerseen bei Altrip und nannte die Seenplatte „Blaue Adria”, wegen der damals tiefblauen Wasserfarbe und als Hommage an das italienische Vorbild. Als Vorsitzender der Interessengemeinschaft „Blaue Adria” kultivierte er Gewässerränder und kümmerte sich um die Infrastruktur. Schon bald kam es zu einem massenhaften Ansturm der Großstädter aus Mannheim und Ludwigshafen und dadurch im Sommer zu verstopften Zufahrtsstraßen.

Inzwischen präsentiert sich die „Blaue Adria” jedoch als ein überwiegend geordnetes Naherholungsgebiet mit ausreichend Platz - und ohne Eintrittsgebühren. Auf einer Fläche von rund 35 Hektar und mit 100.000 Quadratmetern Strand findet der Badegast oder Sonnenhungrige am Baggersee „Neuhofener Altrhein”, dem „Jägerweiher” und der eigentlichen „Blauen Adria” sein Freizeitvergnügen.

Neben einigen Kiosken bietet ein Strandhotel Komfort. Sogar eine Außenstelle des Standesamts Altrip ist hier untergebracht, und wer will, kann auf der „Hochzeitsinsel” auch mit geistlichem Segen unter freiem Himmel heiraten. Und da der Rhein-Radweg nur 400 Meter weit entfernt ist, gibt es außerdem das Angebot „Vom Rad ins Bett”. Und apropos Italien vor der Haustür: In unmittelbarer Strandnähe findet sich auch ein Kurzzeit-Campingplatz.

Die „Blaue Adria” erreicht man über Ludwigshafen-Rheingönheim, von Mannheim-Neckarau aus mit der Fähre oder von Speyer aus via Waldsee. (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 13. April 2008)