Alte Dokumente weisen Weg durch die Geschichte

Protestantische Kirchengemeinde feiert 450-jähriges Bestehen mit Festgottesdienst und Empfang - Chronik von Walter Sattel vorgestellt

Mit einem Festgottesdienst und einem Empfang haben die Mitglieder der Protestantischen Kirchengemeinde in Altrip im vollbesetzten Gotteshaus das 450-jährige Bestehen ihrer Gemeinschaft gefeiert. Walter Sattel, Heimatforscher und Autor heimatkundlicher Bücher, hat zu diesem Anlass in Broschürenform die Geschichte der Gemeinde herausgearbeitet.

Pfarrer Bernhard Pfeifer spannte in seiner Predigt den Bogen von der Geburt der Kirche, wie sie Apostel Lukas beschrieben hat, bis zur modernen Kirche mit ihren Stärken und Schwächen. „Die Evangelische Kirche ist besser als ihr Ruf”, betonte Pfeifer. Der Festgottesdienst wurde mit Werken der Komponisten Albinoni, Händel und Pachelbel musikalisch umrahmt von den Instrumentalsolisten Carla Cremonese, Viktorija Els, Laura Hock und Beate Wiesel.

Beim Empfang in Bonhoeffer-Haus stand das Jubiläum im Mittelpunkt. Thomas Paul als Vertreter der katholischen Kirche, Lilli Noe vom SPD-Ortsverein und Walter Dilly vom Heimat- und Geschichtsverein sprachen Grußworte und überbrachten Glückwünsche sowie Geschenke. Auch der Vorgänger von Pfarrer Pfeifer, der frühere Pfarrer Joachim Mazomeit und seine Ehefrau beglückwünschten die Kirchengemeinde zum Geburtstag und wünschten ihr weiterhin alles Gute.

Seine rund einjährige Arbeit, 450 Jahre Geschichte der Protestantischen Kirchengemeinde eingebettet in einem kurzen Abriss der Altriper Ortsgeschichte, stellte Autor Walter Sattel in Auszügen vor. Der gebürtige Maxdorfer hatte teilweise anhand von jahrehundertealten Dokumenten die Ereignisse rekonstruiert. Bereits unter den Legionären des römischen Kastells „alta ripa” gab es getaufte Christen, wie der Fund einer römischen Hängelampe in Form einer Taube, ein christliches Symbol, nahelegt. Im Mittelalter gehörte Altrip zum Einflussbereich der Klöster Prüm und Himmerod.

1556 gilt als Gründungsjahr der Protestantischen Kirchengemeinde Altrip, schreibt Sattel in seiner Chronik. Kurfürst Ottheinrich, der über die Kurpfalz regierte, zu der Altrip gehörte, war ein überzeugte Anhänger Luthers. Er führt eine Generalvisitation der Gemeinden durch, um die totale Abkehr vom Katholizismus zu bewirken und die Reformation zu institutionalisieren. Wie Sattel den Protokollen der Visitation entnehmen konnte, benahm sich der Altriper Pfarrer ungeschickt und wurde entlassen.

Für die Altriper brach eine kurze Zeit als Lutheraner an. Unter Kurfürst Friedrich III. mussten sie die calvinistisch-reformierte Kirchenordnung annehmen. Friedrichs Sohn brachte die Kurpfalz und damit auch die Altriper wieder zur lutherischen Lehre zurück. Sein Nachfolger wiederum führte den rigiden Calvinismus ein. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wechselte die Kurpfalz fünfmal die Religion.

Ein Kirchengebäude gab es bereits im Mittelalter in Altrip. Heute ist davon nur noch der Turm erhalten, der im spätromanischen Stil im frühen 13. Jahrhundert gebaut wurde. 1751 bis 1754 wurde eine neue Kirche errichtet. Sie brannte 1891 bis auf die Umfassungsmauern nieder. Das Gotteshaus in der heutigen Form wurde 1893 bis 1894 auf den alten Grundmauern gebaut. (mmö)

Feierliches Jubiläum und historische Lektüre: Im Anschluss an den von Pfarrer Bernhard Pfeifer gehaltenen Festgottesdienst stellte Walter Sattel (rechtes Bild) seine zum 450-jährigen Bestehen verfasste Chronik vor. | FOTOS: LENZ

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 4. März 2008)