Brände, Kriegswirren und ein ungeschickter Pfarrer

Buch zum 450-jährigen Bestehen der Protestantische Kirchengemeinde Altrip aufgelegt - Feier am Sonntag

Die Protestantische Kirchengemeinde Altrip feiert in diesem Jahr ihr 450-jähriges Bestehen, denn 1558 wurde urkundlich erstmals für Altrip ein eigener Pfarrer erwähnt. Pfarrer Bernhard Pfeiffer und das Presbyterium nahmen dieses Ereignis zum Anlass, die Kirchengeschichte einmal exemplarisch aufarbeiten zu lassen und in einem kleinen Buch der Öffentlichkeit vorzustellen.

Im „katholischen Mitbruder” Walter Sattel aus Altrip, so Pfarrer Pfeifer, fand sich auch ein versierter Autor. „Die Kirche ist eine alte Frau mit vielen Runzeln und Falten. Aber sie ist meine Mutter. Und eine Mutter schlägt man nicht”, so zitiert der Pfarrer in seinem Vorwort den Theologen Karl Rahner. „Religiös geschlagen” wurden die Menschen aber in der Tat zu Beginn der 450-jährigen Kirchengeschichte. Und zwar recht spektakulär.

Ständiger Konfessionswechsel

Walter Sattel fand heraus, dass die Kirchengeschichte bereits 1556 mit einer Visitation der Ortsgeistlichen von Neuhofen und Altrip begann. Während sich der Neuhofener Pfarrer gar strafbar gemacht habe, befand man, dass sich der Altriper nur „äußerst ungeschickt” benommen habe. Beide fielen letztlich durch die Prüfung und dies bedeutete die Entlassung. Ziel der Visitation war die totale Abkehr vom Katholizismus. Die Regel „So wie der Fürst, so auch das Land” bedeutete einen ständigen Konfessionswechsel für die Untertanen. Die Altriper waren zunächst einmal für kurze Zeit Lutheraner. Unter Kurfürst Friedrich III. mussten sie sich jedoch nach der calvinistisch-reformierten Kirchenordnung ausrichten. Doch Friedrichs Sohn holte die Kurpfalz, und somit auch die Altriper, wieder zur lutherischen Lehre zurück. Unter dessen Nachfolger, Johann Casimir, stellte sich dann wiederum der strengere Calvinismus ein.

Was die rund 130 Seelen in der Fischergemeinde auch in religiöser Hinsicht durchleben mussten, ist heute kaum mehr nachvollziehbar. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wechselte die Kurpfalz gar fünfmal die Konfession. Zwischendurch waren die Altriper deshalb auch „zwangskatholiziert”. Doch nach dem großen Krieg war, wie zu Beginn, das reformierte Bekenntnis im Ort vorherrschend.

Der Altriper Kirchensprengel

Obwohl die Altriper Kirche schon seit 1605 baufällig war und durch Kriege noch mehr gelitten hatte, wurde Neuhofen lange Zeit von Altrip aus betreut. Die Reformierten aus Waldsee gehörten ebenso zur Pfarrei Altrip wie die Reformierten aus Rheingönheim, da dort die Lutheraner überwogen. Nachdem die Katholiken bei der so genannten Kirchenteilung (1705) keine Ansprüche auf ihre frühere Peter-und-Paul-Kirche erhoben hatten, fiel der Pfarrort mit allem Zubehör endgültig an die Reformierten. Ein 1754 eingeweihtes Kirchenschiff brannte 1891 bis auf die Umfassungsmauern nieder. 1849 brannte das noch relativ junge Backhaus ab und 1967 wurde die schöne Fachwerksebene ein Raub der Flammen. 2003 konnte Pfarrer Pfeifer buchstäblich in letzter Minute einen Brand im Kirchenschiff im Entstehen ersticken. Seit 1999 ist die Kirche tagsüber geöffnet und erlebte seither einige Fälle von Vandalismus.

Das 1784 eingeweihte Altriper Pfarrhaus gehörte stets den Protestanten. Im Eingang steht Pfarrer Horst Buchholz, der 1894 die jetzige Kirche einweihte. | FOTO: PRIVATWalter Sattel hat in seinem Werk die Kirchengeschichte von der Medardus-Klosterzelle, die 762 als Schenkung an die Benediktinerabtei in Prüm kam, sowie den Übergang auf das Zisterzienserkloster Himmerod ebenso beschrieben wie die „Speyerer Zeit” nach 1513. Breiten Raum widmet der Autor der Zeit der Reformation. Akribisch genau hat er eine Tafel aller Ortsgeistlichen zusammengestellt und aus Pfarrbeschreibungen wesentliche Aussagen übernommen.

Ökumenische Annäherungen

Neben der Kirche samt Orgel und Glockengeschichte hat er auch die kirchlichen Einrichtungen ausführlich beschrieben. So das 1784 eingeweihte und noch heute bewohnte Pfarrhaus, den 1857 geschlossenen Kirchhof und den 1908 gegründeten Kindergarten sowie das heuer 30 Jahre alte Gemeindezentrum „Dietrich Bonhoeffer”. Auch die ersten, recht zaghaften ökumenischen Annäherungen sind erwähnt: 1974 mit gemeinsamen Passionsgottesdiensten, 1976 mit der ökumenischen Bibelwoche und ab 1978 mit dem gemeinsamen Weltgebetstag der Frauen sowie den 1986 eingeführten gemeinsamen Schulgottesdiensten und dem seit 1994 üblichen Gottesdienst am Fischerfest.

TERMIN
Festgottesdienst am Sonntag, 2, März, 10 Uhr, mit Vorstellung einer Schrift von Walter Sattel über die 450 jährige Altriper Protestantische Kirchengeschichte.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 27. Februar 2008 | Von Wolfgang Schneider)