Das 174-köpfige „Neinsager-Gesindel”

Im Jahr 1933 ließ der fanatische Altriper Polizeikommissär Karl August Schneider am Vortag der am 12. November 1933 stattgefundenen Reichstagswahl und Volksabstimmung einen längeren, von ihm selbst verfassten Aufruf in den Ortsstraßen verkünden. Schneider setzte hierzu je zwei Hornisten, Trommler und Fahnenträger der Altriper Feuerwehr ein. Er handelte hierbei auf eigene Faust, denn der Bürgermeister weilte an diesem Tage zu seiner Vereidigung als Bürgermeister in München. Schneider ließ verkünden:

„Wir wären nicht wert geboren zu sein, wollten wir nicht (...) alle restlos unser Treuegelöbnis auf dem Stimmzettel durch ein Kreuz dokumentieren.” Und weiter: „Unser Bürgermeister erwarte von seinen Altripern, dass sie die befreiende Tat (gemeint ist der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund) unseres Volkskanzlers zu würdigen wissen und restlos zur Wahl erscheinen. Niemand darf daheim bleiben. Es gibt kein Abseitsstehen.”

Doch von 2004 Wählern stimmten 159 nicht für die Hitlerbewegung, ebenso viele verweigerten dem Aufruf der Reichsregierung die Zustimmung zu ihrer Politik. 15 Wähler waren nicht zur Urne gegangen. Der Bürgermeister stimmte im Nachhinein dem Aufruf zu und der Kommissär schimpfte auf das 174-köpfige „Neinsager-Gesindel”.

(Wolfgang Schneider | 2003)