Leben am Wasser und mit dem Wasser

Der Rhein umfließt Altrip an drei Seiten und prägte die Entwicklung des Dorfes entscheidend

Altrip liegt südlich von Ludwigshafen am Westufer des Rheins gegenüber von Mannheim. Der gut 8000 Einwohner zählende Ort, die Hälfte davon Zugezogene („Neutriper” genannt), liegt auf einem Schwemmlandrücken inmitten der Rheinniederung und wird auf drei Seiten vom Rhein umflossen, der hier seinen heutigen Verlauf durch die Begradigung von Johann Gottfried Tulla in den Jahren 1865 bis 1874 erhielt. Diese brachte Altrip unmittelbar ans Rheinufer.

Doch seit diesem Zeitpunkt fließt der Rhein nicht mehr westlich von Altrip, sondern östlich und umfließt den Ort in einer Schleife von Norden, Osten und Süden. Gleichzeitig wurde Altrip dadurch der am weitesten östlich gelegene Ort der Pfalz. Nicht die letzte Besonderheit des Dorfs.

Im Norden und Süden treten die abgeschnürten Altrheinarme bis an den oft überschwemmten Ort heran. Der Westen ist geprägt von einer zum Teil verlandeten Altrheinschlinge, dem so genannten Neuhöfer Altrhein, dem Naherholungsgebiet „Blaue Adria”, das im Sommer tausende Badefreunde aus der Region anzieht und wegen seiner letztlich von den Behörden verfügten Erschließung jahrelang politisch für Wirbel sorgte.

Lebendige Vergangenheit: Eine Gruppe von fleißigen Altripern hat die Trachten der Rheingemeinde im vergangenen Jahr nachgeschneidert und präsentiert sich mit den passenden Accessoires bei Festen, wie hier auf der Kerwe in ihrem Heimatort. | FOTO: LENZGold aus Rheinarmen

Entlang des Rheins und seiner Altrheinarme erstrecken sich Auwälder. Die Hälfte der Gemarkungsfläche wird von Gewässern, Ödland und Forst eingenommen. In einem der heute verlandeten Rheinarme wurde noch vor 200 Jahren Gold gewaschen. Heute beuten Sand- und Kiesbaggereien den Boden aus. Die Lagerung reicht bis 20 Meter Tiefe vom Flugsand über Fein- und Grobsand sowie Fein- und Grobkies.

Altrip liegt in einem bevorzugten Klimagebiet, das beeinflusst wird durch die zahlreichen Gewässer und Wälder. Der Vorfrühling beginnt bereits im ersten Märzdrittel. Die Jahrestemperaturen liegen bei elf Grad.

Altrip ist die einzige Gemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis, die in römischer Zeit gegründet wurde und seitdem ständig bewohnt ist. Altrip wurde gegründet, weil in antiker Zeit der Neckar am jenseitigen Rheinufer in den Rhein mündete und das linke Rheinufer nach dem Fall des Limes als Grenze des Römischen Reichs ausgebaut wurde. Altrip wurde als römische Gründung eines Kastells in der Regierungszeit Kaiser Valentinian I. im Jahre 369 erstmals urkundlich erwähnt. Altrip wurde im Jahr 762 als Klosterzelle von König Pippin der mächtigen Abtei Prüm übertragen und war wirtschaftlicher Mittelpunkt für den umfangreichen Besitz der Abtei im Bereich des Nahe-, Worms, Speyer und Lobdengaus (Ladenburg).

In Altrip wurde 840 Regino, der spätere Abt des Klosters Prüm geboren. Er schrieb die erste Weltchronik, die in Deutschland verfasst worden ist.

1865 erfolgte unmittelbar östlich des Orts ein Durchstich im Rahmen der Rheinbegradigung. Damit wurde der ursprüngliche Plan, den Rhein westlich des Orts fließen zu lassen, abgeändert und Altrip blieb Teil der bayerischen Pfalz. Das „Altriper Eck” ist auf dem Grabstein Tullas abgebildet.

Ein Wahrzeichen ist der Wasserturm in der Ortsmitte. Er wurde am 27. August 1927 eingeweiht, als die Wasserleitung in Altrip in Betrieb genommen wurde. | FOTO: LENZFrüher 130 Einwohner

Die erste Bevölkerungszahl liegt von 1585 vor, damals bewohnten etwa 130 Einwohner die Ludwigstraße und die Römerstraße. Bis 1617 stieg die Zahl rasch auf 215 an, blieb dann aber lange Zeit weitgehend konstant: 1721 waren es etwa 250, 1806 260 Einwohner. Grund dafür ist die beengte Lage des Orts, die nur relativ wenige vom Hochwasser ungefährdete Bauplätze bot. Bis 1840 hatte sich durch Wegfall feudaler Einschränkungen und damit Zuzug vieler Einwanderer die Bevölkerungszahl auf 550 etwa verdoppelt. Diese fanden durch Hofteilungen und Neuaufteilung der Grundstücke innerhalb der bisherigen Siedlungsgrenzen Wohnraum.

Mit der Rheinbegradigung und damit der Eindämmung der Hochwassergefahr änderte sich die Raumsituation grundlegend, eine Ausdehnung der Siedlungsfläche war jetzt möglich. Bis zum Ersten Weltkrieg wohnten etwa 2500 Personen in Altrip, nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich diese Zahl durch Anlage neuer Baugebiete noch einmal beträchtlich.

Politisch war Altrip lange eine SPD-Hochburg, gut drei Jahrzehnte regierte dort Bürgermeister Willi Kotter (SPD) von 1979 bis 2004, als er aus Altersgründen aus dem Amt schied. In einer Stichwahl, der ein hitziger Wahlkampf vorausging, setzte sich Jürgen Jacob (FWG) durch. Seitdem herrscht einigermaßen Ruhe im Gemeinderat. Im Rat stellt die FWG mittlerweile mit acht Sitzen die Mehrheit. CDU und SPD (jeweils sechs Sitze), AWG und Kommunalpolitisches Forum (jeweils zwei Sitze) komplettieren das Gremium, das ein zweites Gewerbegebiet nahe der Sandrennbahn auf den Weg gebracht und die private Erschließung der „Adria” letztlich doch mit knapper Mehrheit vorangetrieben hat.

In den Urkunden von Altrip kommen seit dem Jahr 1585 sechs Familien immer wieder vor und sind auch heute noch vertreten. Es sind die Familien Hook, Hornig, Hört, Lemmert, Schweickert und Schneider, die auch in der Liste der Bürgermeister entsprechend stark vertreten sind. Von Bartholomäus Schweikert (1775-1797) über Nikolaus Hook (1808-1813), Jacob Hornig IV (1859-1865) bis Adam Hört II (1904-1909), um nur einige zu nennen.

Neben dem Wasserturm ist der Kirchturm der Protestantischen Kirche ein weiteres Wahrzeichen des Dorfes. Er diente als Orientierungspunkt und Distanzmesser für Rheinschiffer.

Blaues Wunder: Der Westen von Altrip ist geprägt von einer zum Teil verlandeten Altrheinschlinge, dem so genannten Neuhöfer Altrhein mit seiner ausgedehnten Wasserfläche. | FOTO: LENZErfolgreiche Sportler

Über die Grenzen des Dorfs hinaus bekannt sind die Internationalen Sandbahnrennen des MSC Altrip um den „Goldenen Römer”, der Kanu-Club errang deutsche Meisterschaften und eine Vize-Weltmeisterschaft. Die Gewichtheber des ACA sind ebenfalls eine Hausnummer. Der TuS Altrip spielt in der Fußball-Landesliga.

Von Altrip führt eine Rheinfähre nach Mannheim. Das Fährrecht erhielt Altrip 1898. Die erste Fähre war eine Gierfähre, die am Längsseil befestigt, durch die Strömung hin oder her bewegt wurde. Diese Fähre störte den Schiffsverkehr und wurde deshalb 1958 durch eine Fähre mit eigenem Motor ersetzt. Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es auf der gegenüber liegenden Seite des Rheins an der Strecke der Rheinbahn zwischen den Bahnhöfen Mannheim-Neckarau und Mannheim-Rheinau einen Haltepunkt Altrip. Die einst geplante Rheinbrücke bei Altrip ist inzwischen vom Tisch, Prioritäten verschoben sich, Umweltschützer machten zudem Front dagegen. Das Bestreben der Politiker aus Altrip, Mannheim und des Kreises ist es, die Defizite der Fähre zu senken. Der angedachte Polder Altrip/Waldsee/Neuhofen stößt in der Gemeinde auf große Skepsis, unter anderem weil dadurch ein Anstieg des Grundwassers befürchtet wird. (ier)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 7. Februar 2007)