Den Großvater hätt”s sehr gefreut

Naturpfad entlang des Neuhofener Altrheins nach früherem Bürgermeister Michael Baumann benannt

In der letzten Sitzung des Altriper Gemeinderats im gerade abgelaufenen Jahr ist der Weg entlang des Neuhofener Altrheins und des Campinggebiets „Karpfenzug” dem einstigen Bürgermeister Michael Baumann gewidmet worden. Baumann war von Januar 1910 bis zu seinem Tod im Februar 1914 Bürgermeister der Rheingemeinde.

Der Weg entlang des Neuhofener Altrheins und der Campingplätze hat einen offiziellen Namen bekommen. Der Altriper Gemeinderat verbindet damit die Absicht, ihn deutlich als öffentliches Gelände zu kennzeichnen. | FOTO: PRIVATDer Benennung vorausgegangen war die Feststellung, dass Spaziergänger auf dem Weg von Besitzern der angrenzenden Parzellen „als lästig” empfunden und der Weg samt Uferzone von den Campern mehr oder weniger als „Verlängerung” zum Privatbesitz betrachtet werde.

Mit der Namensgebung wird Bürgermeister Michael Baumann geehrt, der vor 150 Jahren in Altrip geboren wurde und über vier Jahre als ehrenamtlicher Bürgermeister die Geschicke der damals 2300 Einwohner zählenden Gemeinde leitete. Als Nationalliberaler zog Baumann damals zusammen mit den Sozialdemokraten über die Liste „Vereinigte Bürgerpartei” in den 18-köpfigen Gemeinderat ein. Die Gegenseite, die „Freie Bürgerpartei”, ging dabei völlig leer aus. Kein Wunder, dass er sodann auch einstimmig zum Bürgermeister gewählt wurde; ebenso einstimmig wurde ein Sozialdemokrat zu seinem Stellvertreter (Adjunkt) gewählt. Zusammen mit seinem Bruder Ignatz betrieb Baumann höchst erfolgreich eine große Dampfziegelei in Altrip und Mundenheim.

Schon in seinem ersten Amtsjahr musste er die Folgen der schlimmsten Hochwasserkatastrophe des 20. Jahrhunderts stemmen, er unterstützte aktiv die Grabung nach dem Kastell „Alta Ripa”, weihte den Friedhof an der heutigen Speyerer Straße ein und ebenso das Reginodenkmal, für das von den „Baumännern” reichlich Spenden flossen. Zur Gierfähre schuf er eine Holzbrücke, damit Fahrzeuge auch bei Niedrigwasser verkehren konnten. Je nach Wasserstand konnte diese Brücke bis auf 100 Meter Länge angebaut werden. Er sorgte für einen Bauplatz für den ersten Kindergarten im Ort und leistete die Vorarbeiten für die Erweiterung der Maxschule. Doch seine größte Leistung ist unbestreitbar die Elektrifizierung des Dorfes.

Als Michael Baumann am 17. Februar 1914 im Alter von 56 Jahren an einer heimtückischen Krankheit starb, wurden alle Straßenlampen mit Trauerflor versehen. Bei der Beerdigung führte die Feuerwehr den Trauerzug an und neben allen örtlichen Vereinen entsandten etliche Verbände und Kooperationen aus der ganzen Umgebung ihre Vertreter. Lang war die Schlange der Altriper, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten.

Mit der Namensgebung des Weges erfährt also ein hoch verdienter Altriper eine späte Ehrung. Bei aller Freude des Enkels, Carl Michael Baumann (72), der da meinte: „Den Großvater hätt”s sehr gefreut!”, mischt sich auch ein Wermutstropfen ins Freudenglas. „Dass die SPD, die damals Michael Baumann unterstützte, nun geschlossen gegen den Vorschlag der Verwaltung stimmte, ist für mich nicht verständlich. Vielleicht wäre ihr ein Sumpfdotterblumenweg lieber gewesen.” Wie dem auch sei: Sobald das Wegeschild steht, wird für jedermann ersichtlich, dass der Naturpfad - der wohl schönste in Altrip - ein öffentlicher Weg ist und bei eventuellen Notrufen wissen dann auch die Helfer wo sie hin müssen. (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 3. Januar 2007)

„Den Großvater hätt”s sehr gefreut”

ALTRIP: Naturpfad entlang des Neuhofener Altrheins nach früherem Bürgermeister Michael Baumann benannt



In der letzten Sitzung des Altriper Gemeinderats im gerade abgelaufenen Jahr ist der Weg entlang des Neuhofener Altrheins und des Campinggebiets „Karpfenzug” dem einstigen Bürgermeister Michael Baumann gewidmet worden. Baumann war von Januar 1910 bis zu seinem Tod im Februar 1914 Bürgermeister der Rheingemeinde.
Der Benennung vorausgegangen war die Feststellung, dass Spaziergänger auf dem Weg von Besitzern der angrenzenden Parzellen „als lästig” empfunden und der Weg samt Uferzone von den Campern mehr oder weniger als „Verlängerung” zum Privatbesitz betrachtet werde.
Mit der Namensgebung wird Bürgermeister Michael Baumann geehrt, der vor 150 Jahren in Altrip geboren wurde und über vier Jahre als ehrenamtlicher Bürgermeister die Geschicke der damals 2300 Einwohner zählenden Gemeinde leitete. Als Nationalliberaler zog Baumann damals zusammen mit den Sozialdemokraten über die Liste „Vereinigte Bürgerpartei” in den 18-köpfigen Gemeinderat ein. Die Gegenseite, die „Freie Bürgerpartei”, ging dabei völlig leer aus. Kein Wunder, dass er sodann auch einstimmig zum Bürgermeister gewählt wurde; ebenso einstimmig wurde ein Sozialdemokrat zu seinem Stellvertreter (Adjunkt) gewählt. Zusammen mit seinem Bruder Ignatz betrieb Baumann höchst erfolgreich eine große Dampfziegelei in Altrip und Mundenheim.
Schon in seinem ersten Amtsjahr musste er die Folgen der schlimmsten Hochwasserkatastrophe des 20. Jahrhunderts stemmen, er unterstützte aktiv die Grabung nach dem Kastell „Alta Ripa”, weihte den Friedhof an der heutigen Speyerer Straße ein und ebenso das Reginodenkmal, für das von den „Baumännern” reichlich Spenden flossen. Zur Gierfähre schuf er eine Holzbrücke, damit Fahrzeuge auch bei Niedrigwasser verkehren konnten. Je nach Wasserstand konnte diese Brücke bis auf 100 Meter Länge angebaut werden. Er sorgte für einen Bauplatz für den ersten Kindergarten im Ort und leistete die Vorarbeiten für die Erweiterung der Maxschule. Doch seine größte Leistung ist unbestreitbar die Elektrifizierung des Dorfes.
Als Michael Baumann am 17. Februar 1914 im Alter von 56 Jahren an einer heimtückischen Krankheit starb, wurden alle Straßenlampen mit Trauerflor versehen. Bei der Beerdigung führte die Feuerwehr den Trauerzug an und neben allen örtlichen Vereinen entsandten etliche Verbände und Kooperationen aus der ganzen Umgebung ihre Vertreter. Lang war die Schlange der Altriper, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten.
Mit der Namensgebung des Weges erfährt also ein hoch verdienter Altriper eine späte Ehrung. Bei aller Freude des Enkels, Carl Michael Baumann (72), der da meinte: „Den Großvater hätt”s sehr gefreut!”, mischt sich auch ein Wermutstropfen ins Freudenglas. „Dass die SPD, die damals Michael Baumann unterstützte, nun geschlossen gegen den Vorschlag der Verwaltung stimmte, ist für mich nicht verständlich. Vielleicht wäre ihr ein Sumpfdotterblumenweg lieber gewesen.” Wie dem auch sei: Sobald das Wegeschild steht, wird für jedermann ersichtlich, dass der Naturpfad - der wohl schönste in Altrip - ein öffentlicher Weg ist und bei eventuellen Notrufen wissen dann auch die Helfer wo sie hin müssen. (wlf)

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - Nr. 2
Datum Mittwoch, den 3. Januar 2007