Auf Du und Du mit Fahrgästen

Scheffels betreiben Buslinie nach Neckarau seit zehn Jahren

„Stelle vier von Zentrale, ich höre”, ruft Christa Scheffel ins Mikrophon. Auf dem Sofa im Wohnzimmer miaut eine Katze. Mit ihrer Familie betreibt die 58-Jährige in Altrip ein Taxiunternehmen, das in ihrem Wohnhaus untergebracht ist. In wenigen Minuten wird sie sich von der Taxi- zur Busfahrerin verwandeln – wie seit zehn Jahren. Am 1. April 1993 führte die Gemeinde die Kleinbuslinie Altrip-Neckarau in Absprache mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) ein, die seither von Taxi-Scheffel mit firmeneigenen Kleinbussen bedient wird. Hinter dem Steuer sitzen auch Tochter Claudia und Sohn Peter Scheffel.

Busfahrerin Christa Scheffel fährt für ihr Leben gern Auto: „So kann ich Arbeit und Hobby verbinden.“ | FOTO: LENZEin Fahrradfahrer winkt ihr spontan zu. Christa Scheffel, die seit 26 Jahren Taxi fährt, ist in der Maxburgstraße angekommen, dem Ausgangspunkt der Buslinie. „Ich lenke den Bus gerne. Als leidenschaftliche Autofahrerin kann ich so Hobby und Beruf verbinden”, sagt Scheffel. Im Kleinbus, den vor allem Schüler der Waldorfschule und des Burggymnasiums in Neckarau nutzen, finden acht Passagiere Platz. „Manchmal müssen wir Kinder an der Station stehen lassen, weil alle Sitze belegt sind. Das ist unangenehm”, fügt sie an.

Ein Mädchen mit umgehängter Gitarre steigt ein. 16.58 Uhr, der Bus setzt sich pünktlich in Bewegung. In Altrip werden drei, in Neckarau zwei Stationen angefahren. Von Montag bis Samstag biete sie mit ihrem Bus täglich elf Fahrten an, erklärt die Altriperin. Während des Winterfahrplans von Oktober bis 30. April ist zu zwei Zeiten morgens und nachmittags ein zweiter Bus auf der rund fünf Kilometer langen Linie unterwegs. Besonderheit der Strecke, die das ganze Jahr betrieben wird: Der Bus bewegt sich zu Land und zu Wasser. Betreiber der Buslinie ist die Rheinfähre Altrip GmbH. Die Kosten von jährlich rund 47.000 Euro tragen der VRN, der Kreis und die Gemeinde Altrip, die nach Angaben von Büroleiter Horst Hook dafür im Jahr rund 21.000 Euro bezahlt.

Verwirrte Frau, hübsche Polizisten

Routiniert hat Christa Scheffel den „Fährbus”, wie die Altriper ihn nennen, auf der Fähre geparkt. Ein Containerschiff mit holländischer Beflaggung zieht vorbei. Auch Scheffel lässt die vergangenen zehn Jahre an ihrem geistigen Auge vorbeiziehen. „Einmal bestieg eine verwirrte ältere Dame den Bus. Sie wusste nicht mehr genau, wohin sie fahren wollte. Ich hab dann die Polizei gerufen”, erzählt sie. Die Beamten haben sie dann ins Altenheim nach Neckarau zurückgebracht. Über die Antwort der Frau muss sie heute noch schmunzeln: „Es war schön mit ihnen, aber mit den zwei hübschen Polizisten zu fahren ist noch toller.”

Einen Unfall habe sie glücklicherweise nie gehabt. Mal habe der Motor vor Fahrtbeginn gestreikt, einmal die Fähre eine Panne gehabt. „Mit meinen drei Fahrgästen musste ich dann einen Umweg über Ludwigshafen fahren”, erinnert sich die 58-Jährige.

Die Fähre hat den Rhein überquert, Christa Scheffel lenkt den Bus zur Auffahrt-Rampe in Richtung Neckarau. „Wenn es eisig ist, komme ich hier fast nicht rauf”, sagt sie. Sonst gebe es eigentlich keine fahrerische Tücken auf der Strecke.

Seelenruhig steuert Christa Scheffel ihren Achtsitzer durch den Feierabendverkehr. Die Endstation an der Friedrichstraße ist erreicht. „Die Kleine dort wird mitfahren”, sagt Scheffel – schließlich kennt sie ihre Fahrgäste fast alle persönlich.

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 16. April 2003 | Von Luc Müller)